Das Reich von Ayutthaya – Gründung 1351

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dogmai
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Das Reich von Ayutthaya – Gründung 1351

Ungelesener Beitragvon dogmai » Fr Jun 15, 2018 6:44 pm

4. März 1351

Als Mitte des 14. Jahrhunderts die Ära der Khmer zu Ende ging, übernahm das Königreich Ayutthaya die Herrschaft über das Gebiet am Chao Phraya. Als offizielles Gründungsdatum gilt Freitag, der 4. März 1351. Dieser Termin wurde vom Hofbrahmanen bestimmt und markiert den Beginn der 416 Jahre lang andauernden Zeitraum der siamesischen Geschichte. Der Stadt- und Staatsgründer war U Thong, der mit seinen Anhängern vor einer Pockenepidemie aus Lopburi hierhin geflohen war. Unter dem Namen Ramathibodi bestieg er den Thron von Ayutthaya. Die Stadt war nicht nur die Hauptstadt Siams, sondern gab auch dem Reich ihren Namen.

Ayutthaya hat sich selbst als bedeutendstes der ersten Königreiche von Siam bezeichnet. Nicht zuletzt die Einverleibung großer Teile des Khmer-Reiches in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts konnte es seinen Einflussbereich stark ausdehnen und eine wichtige Rolle beim Aufbau des modernen thailändischen Staates und seines Gesellschaftssystems spielen, auch wenn das Khmer-Reich militärisch, politisch und ökonomisch noch längst nicht ausgeschaltet war. Von den Khmer hatten die Herrscher von Ayutthaya die höfischen Sitten, die Sprache und die Idee des Königtums übernommen. Der Monarch betrachtete sich selbst eher als den devaraja (Gottkönig) der Khmer denn als den gerechten König der Sukhothai (dhammumja). Das Königreich bezahlte weiterhin Tribut an den Kaiser von China, der diese rituelle Unterwerfung mit Geschenken und Handelsprivilegien belohnte.

Die Lage auf einer Insel zwischen zwei Flussarmen, am Zusammenfluss dreier Ströme – Chao Phraya, Pasak und Lopburi – war strategisch sehr günstig. Auch war dieses Gebiet Neuland, denn im 7. Jahrhundert verlief die Küstenlinie noch nördlich des späteren Reiches. In den folgenden Jahrhunderten verschob sich die Küste infolge von Sedimentablagerungen immer weiter nach Süden. Diese Lage begünstigte den internationalen Handel im Merkantilismus des 17. Jhs. und machte Ayutthaya reich. Zudem schützte sich das Königreich mit Söldnertruppen und hochwertigen Feuerwaffen aus Portugal. Die Flüsse gewährleisteten auch die Verbindung zum Golf von Thailand und ins Hinterland.

Zur gleichen Zeit „entdeckten“ die europäischen Kaufleute Südostasien und in Ayutthaya entstanden viele ausländische Niederlassungen. Die Besucher aus dem Westen berichten von den wettoffenen Märkten und dem kosmopolitischen Königshof in Ayutthaya So erklärte der Wahl-Londoner Engelbert Kaempfer 1690: „Von den Ländern Asiens ist das Königreich von Siam das großartigste.“

Wat-Phu-Khao-Thong.jpg
Ayutthaya - Wat Phu Khao Thong
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Der modernen Geschichtsschreibung zufolge verdankte Ayutthaya seinen Aufstieg seiner territorialen Ausdehnung. Am Beginn stand die Eroberung von Suphanburi, Lopburi und einiger kleinerer Reiche am Golf von Siam, danach richtete sich die Expansionspolitik gegen Sukhothai, Kambodhscha und Lan Na. Unter Borommaracha (1370-1388) und Ramesuans (1388-1395) erfolgte die Unterwerfung der „nördlichen Städte“ (Mueang Nuea) Sukhothai, Chaliang, Phitsanulok und Khampaeng Phet und die folgenden Kriegszüge gegen Lan Na und Kambodscha sind unter dem Aspekt der Ausweitung des nördlichen und östlichen Hinterlandes sowie auf die Sicherung des maritimen Handelsweges zu sehen. Auch war die Sicherung von Sukhothai und Phitsanulok Mittel der Abwehr territorialer Ansprüche von Lan Na.
Frühes Aufstehen ist der erste Schritt in die falsche Richtung.

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dogmai
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Re: Das Reich von Ayutthaya – Entwicklung und Organisation

Ungelesener Beitragvon dogmai » Fr Jun 15, 2018 6:46 pm

1507

Der mehr als ein Jahrzehnt währende „Cakravartin-Krieg“ mit Chiang Mai sicherte Ayutthaya zwar dauerhaft seine Kontrolle über die „nördlichen Städte“, aber Lan Na wurde strategisch nicht geschwächt. Gegen Ende der 1470er Jahre hatte Lan Na sich von den verlustreichen Kämpfen wieder erholt und erlebte in den folgenden drei Jahrzehnten sogar einen wirtschaftlichen Aufschwung und eine kulturelle Blüte. 1507 flammten die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Ayutthaya und Chiang Mai wieder auf. Acht Jahre später eroberte ein siamesisches Heer Lampang, eine an der südlichen Peripherie Lan Nas gelegene Festungsstadt. Die Truppen aus Ayutthaya blieben nicht lange; mit reichlicher Kriegsbeute traten die Sieger den Rückzug an und führten zahlreiche Stadtbewohner in die Kriegsgefangenschaft. Ayutthaya hatte mit dem Sieg von 1515 eine strategische Hegemonie errungen, die Chiang Mai nicht länger in Frage zu stellen wagte.

In der Folgezeit verringerte sich die militärische Konfrontation zwischen Lan Na und Ayutthaya. Lan Na befand sich nach 1515 in einer strategisch ungünstigeren Situation als noch ein halbes Jahrhundert zuvor. Die Bevölkerungsverluste durch Kriege und durch die Zwangsumsiedlung eines großen Teils der Einwohner Lampangs nach Siam bedeuteten eine empfindliche demographische und wohl auch ökonomische Schwächung Lan Nas an seiner Südflanke. Als Lan Na und Ayutthaya 1522/23 offiziell Frieden schlossen, befand sich das Reich der Tai Yuan in der Defensive, woran auch das politische Bündnis mit dem militärisch schwachen Mon-Staat von Pegu nur wenig zu ändern vermochte.

Der Staat und die Gesellschaft in Ayutthaya
Meine Anmerkung: Wenn man sich genauer mit Ayutthaya beschäftigt, kommt man irgendwie zu dem Schluß, daß hier eine bis heute geltende Schichtung in der Gesellschaft geschaffen wurde. Ich führe auch den ungeheueren Reichtum des Königs auf diese Form des Staates und der Aufteilung der Güter zurück.

Im Königreich galt eine strenge, vielschichtige hierarchische Rangordnung, die zum größten Teil von König Trailok (reg. 1448-1488) festgelegt worden war. Er entwickelte ein ausgeklügeltes System öffentlicher Ämter mit besonderen Titeln und Graden. König Trailok ordnete das Verwaltungssystem Ayutthayas auf allen Ebenen und bestimmte die Funktionen der wichtigsten Staatsdiener. Er erließ zwei bedeutende Gesetze, nämlich das „Gesetz über die zivile Hierarchie“ (Phra aiyakan tamnaeng na phonlarüan) und das „Gesetz über die Militär- und Provinzhierarchien“ (Phra aiyakan thahan huamüang). Beide Gesetzeswerke sind allerdings nicht in ihrer ursprünglichen Form, sondern in einer Kodifizierung aus dem Jahre 1805 überliefert.

Im ersten Gesetzeswerk institutionalisierte Trailok die bestehende soziale Struktur des siamesischen Staates durch ein komplexes System, das den Angehörigen aller sozialen Klassen, Schichten und Stände eine bestimmte Position in Staat und Gesellschaft zuwies. Dieser Platz wurde in einem Zahlenwert, dem sogenannten sakdina-Rang, zum Ausdruck gebracht. Sakdina bedeutet wörtlich „Macht (sakdi) über Reisfelder (na)“. Höchstwahrscheinlich hatte der König seinen Ministern und anderen hohen Beamten Land und Arbeitskräfte – womöglich ganze Dorfer – zur persönlichen Nutzung zur Verfügung gestellt.

An der Spitze der gesellschaftlichen Pyramide stand der König. Als „Herr über das Land“ (cao phaendin) besaß er das Verfügungsrecht über alle Reisfelder seines Reiches und erhielt daher eine unbeschränkte Zahl der symbolischen Landeinheiten. Ihm folgte der Vizekönig (uparat), ein enger Verwandter des Monarchen, mit lcooooivH. Anderen Prinzen im Rang eines cao fa wurden 15 000 oder 20 000 rai zugeteilt. Der Aufstieg eines cao fa in den Rang eines Ministers (krom) führte zu einer Eröhung des Sakdina-Wertes auf 40 000 bzw. 50 000 rai. Niedrigere Mitglieder der königlichen Familie hatten einen Sakdina -Rang, der in Abhängigkeit vom Grad der Verwandtschaft zum amtierenden Herrscher zwischen 500 und 7000 schwankte.

Anders als im europäischen Feudalismus gab es in Siam keinen erblichen Adelsstand, der mit Privilegien ausgestattet war, die auf die nachfolgenden Generationen übertragen wurden.Dem Beamtenadel gehörten neben den Angehörigen des Herrscherhauses auch zahlreiche Personen an, die aus einfachen Verhältnissen stammten und sich durch militärische Tapferkeit oder andere Verdienste für den Staatsdienst qualifizierten. Auch wenn die Söhne fähiger Minister oder loyaler Provinzgouverneure gute Chancen hatten, in die Fußstapfen ihrer Väter zu treten, existierte hierfür kein Automatismus. Der König alleine ernannte und beförderte seine Beamten oder setzte sie auch ab. Nur in wenigen exponierten Provinzen wie Nakhon Si Thammarat bildeten sich lokale Adelsgeschlechkr heraus, die ihre Provinzen quasi als Lehen regierten. Hohe Beamte besaßen einen Salidina-Rang von 1600 bis 3000 rai. Die Spitzenposition, die ein Mann aus dem Volk im Verlauf seiner Beamtcnkarriere erreichen konnte, war die des Leiters eines der sechs Hauptministerien mit einem Sakdina-Rang von 10 000 rai. Personen mit Sakdina-Rängen oberhalb der Marke von 400 rai gehörten zum Beamtenadel; sie alleine durften zur Audienz beim König erscheinen. Die auch khunnang genannte administrative Elite des Landes umfasste wahrscheinlich kaum mehr als 2000 Personen. Selbst unter Errechnung der Familienangehörigen stellten die khunnang nur einen Bruchteil der siamesischen Bevölkerung, die für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts auf ungefähr zwei Millionen Einwohner geschätzt wird.

Der soziale Status eines Bürgers richtete sich nach der Anzahl von Einheiten an Landbesitz, die er sein eigen nannte. Nach diesem Rang einer Person wurden auch Geldbußen und Strafen für Vergehen bemessen. Die Gesellschaft Ayutthayas setzte sich aus den Mitgliedern des Königshauses, dem Adel und den Bürgern zusammen, wobei die Bürger entweder Freie oder Sklaven waren.

Freie Bürger unterstanden einem Aufseher aus dem Königshaus oder Adel, für den sie die Hälfte eines jeden Jahres arbeiten mussten. Dabei handelte es sich um persönliche Dienstleistungen, öffentliche Bauarbeiten oder Dienst an der Waffe. Trotz der strengen Ordnung war ein sozialer Aufstieg durchaus möglich, etwa aufgrund besonderer Fähigkeiten, guter Beziehungen (Heirat) oder königlicher Gunst. Diese Gesellschaltsordnung hat sich in bestimmten Elementen bis heute in Thailand gehalten.
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Re: Das Reich von Ayutthaya – Expansion und Kriege

Ungelesener Beitragvon dogmai » Fr Jun 15, 2018 6:51 pm

1512
Erste portugiesische Gesandtschaft am Hof von Ayutthaya. Später folgen Holländer und Briten.

1549
In einem viermonatigen Krieg belagern im Jahre 1549 burmesische Truppen Ayutthaya. Es ist dies die erste von mehreren burmesischen Invasionen und thai-burmesischen Kriegen über einen Zeitraum von etwa 50 Jahren. Es wird angenommen, dass die Burmesen durch die Palastkämpfe in Ayutthaya zu der Invasion verleitet wurden, da man in Burma offensichtlich annahm, das innenpolitisch geschwächte Siam werde eine leichte Beute sein. Es ist Siams Pech, dass gerade zu der Zeit, da das Land der Thronfolgekämpfe wegen im Chaos liegt, das Nachbarland Burma von einer Folge fähiger Kriegskönige regiert wird. Dem ersten dieser Kriegskönige, Tabengshweti, der von 1531 bis 1550 herrscht, gelingt die Vereinigung Burmas mit einer territorialen Ausdehnung, die derjenigen des gegenwärtigen Burmas weitgehend entspricht. Schon dem damaligen burmesischen Reich werden die Fürstentümer der Mon (im Süden) und der Shan (im Norden) einverleibt. Nachdem König Tabengshweti im Jahre 1550 vergiftet wird, besteigt sein General und Schwager als König Bhueng Noreng (mit anderem Namen König Hanthawadi) den Thron; dieser ist nicht minder kriegerisch veranlagt als Tabengshweti.

1556
Die Burmesen erobern Chiang Mai und zerstören das Lan-Na-Reich.

1563
Im Jahre 1563 marschiert wiederum eine burmesische Armee in Siam ein. Für diesen Feldzug hat der König von Burma, Bhueng Noreng, seine Truppen mit Mannschaften aus zahlreichen Vasallenstaaten verstärkt, von denen manche aus so östlichen Regionen wie dem heutigen Laos stammen. Historische Quellen behaupten, die burmesisch geführte Armee sei 200.000 Mann stark gewesen. Die burmesischen Truppen nehmen zunächst die siamesischen Städte Sawankalok und Pijai ein.

1564
Da die Thais die burmesische Kriegstaktik falsch einschätzen, gelingt den Burmesen ein Jahr später ein Überraschungsangriff auf Ayutthaya. König Chakrapat wendet die drohende Zerstörung der Stadt ab, indem er sich auf einen für Burma überaus vorteilhaften Friedensvertrag einlässt, dessen Bedingungen vom burmesischen König Bhueng Noreng diktiert worden waren.

1569
Trotz des Friedensvertrages halten die Kriegswirren in den folgenden Jahren an, und am 30, August 1569 fällt Ayutthaya nach einer burmesischen Belagerung von sieben Monaten zum erstenmal in der Geschichte der Stadt. Der Sieg des burmesischen Königs Bhueng Noreng und seines Thai-Bundesgenosen Khun Pirentorateps (Prinz Maha Tammarajas) beruht jedoch nicht auf der Tapferkeit der Belagerer, sondern auf einem Hoch- und Landesverrat, den sich wahrscheinlich Prinz Maha Tammaraja ausgedacht hatte. Es gelang den Belagerern nämlich, den Verräter Pijai Chakri nach Ayutthaya hineinzuschmuggeln. Pijai Chakri war von den Burmesen im Jahre 1563 als Geisel nach Burma entführt und dort einer totalen Gehirnwäsche unterzogen worden. Es gelang ihm, nach Ayutthaya eingelassen zu werden, indem er eines Tages vor den Toren der Stadt auftauchte – zurechtgemacht als entlaufener Gefangener. Er erschlich sich das Vertrauen König Mahins, indem er behauptete, es sei ihm gelungen, aus der burmesischen Gefangenschaft zu entfliehen, und versichert, mit allen Kräften verhindern zu wollen, dass Ayutthaya von den Burmesen eingenommen werde. In einem Akt schier unglaublichen Leichtsinns wird Pijai Chakri die Verantwortung für wichtige Verteidigungsanlagen übergeben. Heimlich gibt er jedoch Informationen an die Belagerer, und als die Burmesen zum Endangriff ansetzen, schwächt er bewusst die Verteidigung in einem Abschnitt, durch den die burmesischen Truppen schliesslich in die Stadt eindringen.

1584
15 Jahre nach dem Fall Ayutthayas, am 3. Mai 1584 kündigt Prinz Naresuan, mit Einverständnis seines Vaters, König Maha Tammaraja, den Burmesen das Vasallenverhältnis auf. Im Dezember des selben Jahres marschiert eine burmesische Armee, deren Stärke auf 300.000 Mann geschätzt wurde, in Siam ein. Prinz Naresuan schwächt die burmesische Armee mit einer Politik der verbrannten Erde. Er zieht siamesische Einheiten aus dem Aufmarschgebiet der Burmesen ab, hinterlässt aber nur brennende Dörfer und Städte, die den burmesischen Truppen nichts mehr nützen können. Die burmesische Invasion schlägt fehl.

1592
Nuresan gewinnt den auf dem Rücken von Elefanten ausgetragenen Zweikampf mit dem burmesischen Kronprinzen und erobert große Teile von Burma, Laos und Kambodscha.

1605-1610/1611

König Ekathotsarot, Vater von König Prasat Thong, regiert in Ayutthaya

1620
König Songdharm besteigt den thailändischen Thron. In seiner Regierungszeit (1620 bis 1628) soll der berühmte Fussabdruck des Budha in Saraburi entdeckt worden sein.

1655
Nach dem Tod König Prasat Thongs im Jahre 1655 werden Fragen der Thronfolge wieder einmal mit dem Säbel entschieden. Nachfolger Prasat Thongs ist zunächst dessen ältester Sohn, Prinz Chao Fa Yai. Der Onkel des neuen Königs, Prinz Srisutammaraja, und sein eigener Bruder, Prinz Narai, konspirieren jedoch gegen Chao Fa Yai, entführen ihn und richten ihn auf königliche Weise hin – das heisst, der Thronfolger wird in einen Samtsack eingeschnürt und mit Keulen aus Sandelholz totgeschlagen. Prinz Srisutammaraja wird daraufhin zum neuen König gekrönt, sein Bundesgenosse, Prinz Narai wird zum stellvertretenden König ernannt.

Ein paar Monate später führt Prinz Narai, der schon zuvor keine Skrupel gehabt hatte, seinen eigenen Bruder totzuschlagen, eine Palastrevolte gegen seinen zum König gekrönten Onkel an. Die Kämpfe im Palast dauern mehrere Tage an und enden damit, dass der König hingerichtet wird – wie üblich auf „königliche Art und Weise“ (siehe oben). In einer Publikation der thailändischen Fremdenverkehrsbehörde ist davon die Rede, Prinz Narai sei zur Rebellion gereizt worden, da König Srisutammaraja die jüngere Schwester Prinz Narais mit Annäherungsversuchen belästigt habe. Wie auch immer, Narai wurde zum neuen König gekrönt, und er regierte Siam für 32 Jahre, bis 1688. Während seiner langen Regierungszeit öffnet sich Siam weit dem europäischen Einfluss, durch den das Land einen ersten Modernisierungsschub erfährt – allerdings nicht mit Bezug auf die politische Kultur.

1656-1688
Unter König Narai werden Gesandtschaften mit dem französischen Königshof Ludwigs XIV ausgetauscht. Frankreich schickt Missionare und Truppen, die jedoch ebenso wie die englischen und holländischen Händler nach dem Tode König Narais das Land verlassen müssen.

1758-1760
In den Jahren 1758-1760 ist es wiederum Siams Pech, dass einmal just zu der Zeit, als es selbst von einem nur bedingt fähigen König regiert wird, eine neue mächtige Dynastie im benachbarten Burma an die Macht kommt. Nachdem Burma über Jahrzehnte mehr oder weniger desintegriert gewesen war, wird das Land von einem militärisch talentierten Fürsten von Moksobo (Shwebo), dem späteren König Alaungsaya, in einer atemberaubenden Serie ständiger Siege vereinigt. 1759 marschiert König Alaungsaya in Siam ein und erobert für Burma die Städte Tavoy, Mergui und Tenasserim (auf heute südburmesischem Gebiet).

Im April 1760 belagert König Alaungsaya Ayutthaya. Der siamesische König Ekatat ahnt, dass er der Führungs-Herausforderung nicht gewachsen ist und bittet deshalb seinen jüngeren Bruder, den vormaligen König Utumpon, vorübergehend in seinem, Ekatats, Namen die Regierung und militärische Leitung der Verteidigung zu übernehmen. Allerdings ist es kurz darauf nicht Utumpons Geschick, sondern ein militärischer Unfall im burmesischen Lager, der Ayutthaya rettet. Denn als der burmesische König Alaungsaya sich schwer verletzt, während er selbst eine Kanone bedient, entscheidet er sich für einen Rückzug nach Burma. König Alaungsaya stirbt noch während des Rückzugs.

1765
Aber schon im Juni 1765 beginnen die Burmesen einen neuen Feldzug gegen Siam, und zwar diesmal mit zwei Armeen, einer, die von Chiang Mai aus nach Süden vordringt, und einer zweiten, die von Westen her in Richtung Ayutthaya marschiert.

1766
Im Februar 1766 beginnen die Burmesen erneut mit einer Belagerung Ayutthayas. König Ekatat bietet seinem jüngeren Bruder Utumpon wiederum eine temporäre Königswürde an, doch diesmal lehnt Utumpon ab. Einige Wochen nach Beginn der Belagerung gelingt es einem General Ekatats, Chao Phaya Taksin, mit einer Truppe von rund 500 Mann den burmesischen Belagerungsring zu durchbrechen und aus Ayutthaya zu fliehen. Taksin ist der Sohn eines chinesischen Vaters und einer siamesischen Mutter. Sein ursprünglicher Name ist Hai Hong. Der Name Taksin wurde ihm nachträglich verliehen, da er für einige Jahre Gouverneur der Provinz Tak gewesen war.
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Re: Das Reich von Ayutthaya – die Zerstörung

Ungelesener Beitragvon dogmai » Fr Jun 15, 2018 6:52 pm

1767

Die Burmesen erobern Ayutthaya auf dem Höhepunkt seiner Macht. Die Stadt hatte 300 000 Einwohner und war damit größer als Paris oder London. Ayutthaya besaß ungefähr 400 Tempel und drei Paläste.

Die Stadt wurde zerstört und die Bevölkerung ausgelöscht. Auch die Umgebung wurde entvölkert. Die Eroberung und Zerstörung Ayutthayas war so grauenhaft, dass viele Thais bis heute in ihren birmanischen Nachbarn nur erbarmungslose Feinde und Aggressoren sehen.

Ayu-zerstört.jpg
Zerstörte Buddha-Statuen
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