Der Wat

Für alles, was mit Glauben (Buddhismus, Hinduismus, Islam, Judentum, Christentum und/oder der Geisterwelt (Animismus etc.) zu tun hat, z. B. Weltanschauungen, Sitten und Gebräuche, die auf Glaubensrichtungen beruhen; um dem Einen oder Anderen zu helfen, diese als respektgebietend zu erkennen und eben nicht ins Fettnäpfchen zu treten.
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koratwerner (†2012)
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Der Wat

Ungelesener Beitragvon koratwerner (†2012) » Mo Aug 04, 2008 2:18 pm

Die religiöse Stätte der Gläubigen


Jeder Wat, so wird in Thailand ein Tempelkomplex genannt, hat einen individuellen Charakter, wobei jedoch der Verwendungszweck der einzelnen Gebäude, trotz unterschiedlicher Bauweise, immer der gleichen Ordnung unterliegt. Die sakralen Gebäude eines Wat, seien es mehrere oder nur wenige, seien sie einfacher Art, oder aufwendig gebaut, sind immer nach bestimmten Regeln errichtet worden, die grundsätzlich in jedem Wat anzutreffen sind.

Selbst in einem Wat, in dem eigentlich der elefantenköpfige Ganesha die dominierende Rolle innehat und zumindest bei festlichen Gelegenheiten nur von Anhängern dieser Glaubensrichtung aus dem indischen Hinduismus aufgesucht wird, unterscheidet sich die Bauweise und Ausstattung der sakralen Gebäude nicht von einem üblichen Wat, in dem die Verehrung des Buddha vollzogen wird.

In jeder Ortschaft Thailands und in jedem Bezirk einer größeren Stadt befindet sich für die Gläubigen ein Wat. Man sieht diese religiösen Stätten aber auch an Orten außerhalb von Siedlungen, zum Beispiel auf exponierten Bergkuppen oder weitab von einer Stadt oder einem Dorf in abgelegenen Berggegenden.

Die Bezeichnung Wat bedeutet sinngemäß „Wohnung für Lernende und Asketen“. Je nach Bedürfnis kann ein Wat aus einem kleinen Häuschen bestehen, welches gerade einmal ein oder zwei Mönche beherbergt, oder einen ganzen Tempelbezirk mit vielen Bauten umfassen. Meist ist ein Wat von einer Mauer umschlossen innerhalb der sich mehrere Gebäude befinden.

Das prächtigste und größte Gebäude eines Wat ist der Bot oder auch Ubosot genannt. Er ist das Zeremoniengebäude der Mönche. Dieser Bau ist in der Größe von etwa 1:2 in Längsrichtung auf einer Ost/Westachse gebaut. Vor dem Betreten des Gebäudes werden die Schuhe am Eingang abgelegt. Über mehrere Stufen passiert man eine Vorhalle, die meist durch eine geschnitzte Holz- oder mit Perlmut belegte Tür von der Haupthalle getrennt ist. An der westlichen Stirnseite der Haupthalle befindet sich ein großes Buddhabildnis mit dem Blick nach Osten. Zu Füssen Buddhas sind ein Altar und der Sitz des Abtes, der ebenfalls mit dem Blick nach Osten gewandt für Buddha spricht und handelt. Der Altar und der Sitz des Abtes stehen auf einem Podest, auf dem die Mönche des Klosters seitlich Platz nehmen können.

Das kultische Zentrum des Wat ist das Chedi. Große Chedi haben die Form einer überdimensionalen Glocke. Sie stehen auf einem runden Podest und enden in einer langen Spitze. Ein Chedi dient als Reliquienschrein für die Asche von Würdenträgern oder anderer Reliquien. Im Chedi spiegelt sich die mystische Welt. Der obere Bereich symbolisiert die mentale Welt, der mittlere Bereich ist der Menschenwelt vorbehalten und im unteren Bereich sind die Dämonen und andere Welten angesiedelt.
Ein anderes großes Gebäude mit der Bezeichnung Sala, ist der Treffpunkt der Pilger und Gläubigen, die hier auch übernächtigen können. Die große Halle des Sala dient nicht nur religiösen Zwecken. Sie wird z.B. als Versammlungsort bei Wahlen benutzt, dient bei der Rekrutierung von Wehrpflichtigen, ist Treffpunkt bei Aufklärungsaktionen der Regierung und Mittelpunkt bei weltlichen Festen.

Innerhalb eines Wat befindet sich auch, meist westlich etwas abseits gelegen, ein hoher schlanker Turm. Das ist das Krematorium zur Einäscherung der Verstorbenen, deren Asche und Knochenreste in der Klostermauer beigesetzt werden können. Meist ist diese Ruhestätte mit einem Bild des Verstorbenen geschmückt.

Oft sieht man auch an der Klostermauer quadratische, nach oben hin spitz zulaufende Türmchen. Diese Türmchen sind mit buntem Glasmosaik verziert und dienen ebenfalls als Begräbnisstätte für die Aufbewahrung der Asche von Verstorbenen.

Etwas abseits gelegen stehen die Kuti, die Wohnhäuser der Mönche, die man als Besucher nicht aufsuchen sollte. Ein Glockenturm auf dem Gelände ruft die Mönche zur Andacht und ein Bodhibaum erinnert in jedem Wat an die Erleuchtung Buddhas, die er der Legende nach beim Meditieren unter solch einem Baum empfangen hat. Der Bodhibaum ist nicht nur leicht an seiner Größe und an seinem ausladenden Geäst zu erkennen, sondern oft auch an einem gelben Tuch, dass um seinen Stamm gewickelt ist.

Ein Wat ist nicht solch ein sakraler Bau, wie eine Moschee oder eine christliche Kirche, sondern wirkt auf den europäischen Besucher eher wie eine kleine Siedlung, vergleichbar vielleicht mit einem christlichen Gemeindezentrum. Zwar dominieren die Zeremoniengebäude und frei stehende Andachtsstätten, doch sieht man je nach Bedarf auf dem Gelände auch Wirtschaftsgebäude und Toiletten, die auch den Besuchern offen stehen, man findet Zierteiche und oft gibt es sogar Kleintiere, wie Hühner, Katzen und Hunde. Manchmal befinden sich innerhalb der Klostermauern sogar Verkaufsstände für Getränke oder einen kleinen Imbiss, vielleicht einen Buchladen mit religiösen Schriften, eventuell auch eine Bibliothek, Hor Trai genannt, mit heiligen Schriftrollen und bisweilen hält sich im Wat sogar einen Astrologe auf, der an einem für ihn bereit gestellten Tisch Horoskope erstellt.

Häufig gibt es auch die Möglichkeit Blumen, Blumenkränze, Räucherkerzen und Wachskerzen zu erwerben, die dann an sakralen Stellen abgelegt, bzw. angezündet werden können. Manchmal werden diese Dinge den Besuchern ohne Bezahlung ausgehändigt, doch erwartet man dann dafür natürlich eine Geldspende.

Bewohnt und verwaltet wird ein Wat immer von den Praw, den buddhistischen Mönchen. Da die Mönche besitzlos sein müssen, gehört das von ihnen verwaltete Gelände dem König oder derjenigen Familie, die das Grundstück zur Verfügung gestellt hat. Da die aufstehenden Gebäude und deren Einrichtung von Spenden errichtet wurden, ist es praktisch das gemeinschaftliche Eigentum einer Gemeinde oder eines generösen Spenders. Auf dem Gelände eines Wat kann auch eine Schule stehen, in der neben den üblichen Fächern von den Mönchen die Kinder in der buddhistischen Lehre unterrichtet werden.

Der Wat und die dort lebenden Mönche leben von Spenden. Das betrifft den Unterhalt der Gebäude, aber auch die Dinge des täglichen Bedarfs, wie Essen, Trinken und Kleidung. In den Ortschaften sind die Mönche bereits am frühen Morgen unterwegs und nehmen Essens- und Geldspenden entgegen.

Jeder Wat steht auch nichtbuddhistischen Besuchern offen. Allerdings erwartet man von ausländischen Touristen nicht nur ein gebührendes Verhalten, sondern auch immer eine Geldsspende, die in eine der vielen Sammelboxen eingeworfen werden kann. Wenn nichts anders abgesprochen oder schriftlich festgelegt wurde, gehören die Spenden immer dem Abt. Das können auch Land oder andere Vermögenswerte sein. Wenn nichts anderes vereinbart ist, geht das Vermögen des Klosters auf den nächsten Abt über. Ausgenommen hiervon ist das Bankguthaben, auf das die Angehörigen des Abtes Anspruch haben.

Besucht man ein Wat, dann sollte man gewisse Verhaltungsregeln beherzigen. In jedem Fall ist immer eine dezente Kleidung angebracht. Frauen in Hosen und Männer in kurzärmeligen Hemden wird manchmal der Zutritt verweigert. Besucher sollten sich im Bot nicht wie die Mönche mit gekreuzten Beinen niederlassen, sondern mit untergeschlagenen Beinen, die nie in Richtung einer Buddhastatue oder einen Mönch zeigen dürfen. Bei ihrer Zeremonie sitzen die Mönche im Lotossitz auf der für sie vorgesehenen Plattform, die in keiner Weise von einem Besucher benutzt werden darf. Man kann ihren Gesängen zuhören, jedoch nur auf dem Boden sitzend. Als Ausländischer Besucher kann man es auch erleben, dass der Abt eines Klosters nach der Beendigung der Beetgesänge seinen Platz beibehält um mit Gläubigen oder auch mit ausländischen Besuchern zu sprechen.

Man nähert sich dem Abt auf den letzten Metern auf den Knien, mit zum Wai erhobenen Händen und verharrt in dieser Haltung, wobei mindestens eine Verneigung angebracht ist. Meist entlässt der Abt den oder die Besucher mit einem Segen und manchmal knüpft dieser einen weißen Baumwollfaden um sein linkes Armgelenk oder überreicht gar ein Amulett mit einer Buddhaabbildung oder ein kleines Buddhabildnis. Man verlässt den Abt, indem man etwas seitlich nach hinten rutscht und erst in einiger Entfernung aufsteht. Das vor dem Entfernen dem Abt ein respektvoller Wai gegeben wird, ist eine höfliche Selbstverständlichkeit.

Eine Selbstverständlichkeit ist es auch, dem Wat etwas Geld zu spenden, denn es gibt nicht wie bei uns eine Kirchensteuer. Das Wat lebt also von Sach- und Geldspenden. Während ein Thai meistens nur in der Lage ist, eine geringe Summe zu erübrigen, erwartet man von einem Farang, dass er bedeutend tiefer in die Tasche greift und wenn er das tut, ist seine Thaifrau stolz auf ihn, auch wenn dann kurz vor Ultimo nur noch Reis mit Chili und etwas Huhn auf den Tisch kommt.
Es ist nicht schwer zu wissen wie man etwas macht,
aber es ist schwer es auch zu tun!

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