Amulette

Für alles, was mit Glauben (Buddhismus, Hinduismus, Islam, Judentum, Christentum und/oder der Geisterwelt (Animismus etc.) zu tun hat, z. B. Weltanschauungen, Sitten und Gebräuche, die auf Glaubensrichtungen beruhen; um dem Einen oder Anderen zu helfen, diese als respektgebietend zu erkennen und eben nicht ins Fettnäpfchen zu treten.
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koratwerner (†2012)
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Amulette

Ungelesener Beitragvon koratwerner (†2012) » Mo Aug 04, 2008 1:58 pm

Glücksbringer und Geisterschutz


Bis etwa zur Regierungszeit des thailändischen Königs Rama IV Mongut 1851 - 1868 war der Verkauf von Amulette in Thailands Klöstern unbekannt. Weder der Buddha selber, noch seine bis dahin maßgeblichen Nachfolger haben Amulette hergestellt, geweiht und ihren Anhängern als Heils- und Glücksbringer verkauft.

Trotzdem die Mehrheit der thailändischen Buddhisten sich zum Theravada - Buddhismus, der ursprünglichen Lehre des Religionsstifters bekennt, haben immer mehr Klöster den Verkauf von Amulette als willkommene Geldquelle erschlossen. Einige Äbte führen den Erlös aus diesem Geschäft erfreulicherweise sogar sozialen Zwecken zu. Andere dagegen benutzen den Erlös für den Unterhalt und Ausbau ihres Klosters. Allerdings gibt es auch einige Klöster, die sich an die ursprünglichen Regeln des Buddha halten und auch heute noch keine Amulette herstellen und verkaufen.

Derzeit haben sich die Herstellung und der Verkauf, fälschlicherweise als buddhistisch geltende Amulette, zu einem riesengroßen kommerziellen Geschäft außerhalb der Klöster bis hin nach Europa und Amerika entwickelt. Nährboden für diese Verbreitung ist der Geisterglaube aus der vorbuddhistischen Zeit, der die Menschen dazu veranlasst sich vor Geistern und deren unheilvolle Macht zu schützen. Aber auch das Wunschdenken an Reichtum, nach Steigerung des sozialen Status, Glück und Gesundheit, ist der Anlass für die Verbreitung dieses Aberglaubens.

Amulette gibt es für viele Gelegenheiten. Sie sollen schützen, Liebe schenken, Heilung begünstigen, magische Kräfte verleihen, der Verführung dienen, sollen Erfolg bringen oder Stärke und Mut. Amulette sollen Kraft haben, die über Jahrhunderte, ja Jahrtausende hinweg angeblich durch den Glauben an sie energetisch aufgeladen wurde und deshalb gibt es sogar viele gefälschte Amulette, die in der ganzen Welt trotzdem Liebhaber finden.

Es gibt Amulettträger, die felsenfest davon überzeugt sind, ihr Amulett würde sie schützen und ihnen helfen. Sie glauben an die Kraft ihres Amuletts und sind sogar in der Lage genau zu erklären, was sie ihrem Talisman alles zu verdanken haben. Die Ursache ist die Kraft ihres gestiegenen Selbstbewusstseins, die sie in die Lage versetzt aktiver und positiver zu denken und zu handeln, als sie es getan haben, bevor sie noch kein Amulett trugen. Placeboeffekt, könnte man sagen.

Andere Menschen die ein Amulett tragen, hängen es sich als reinen Schmuck um den Hals, weil es gerade Mode ist oder weil sie meinen, es könnte ihnen auf jeden Fall nicht schaden. Ihr Selbstbewusstsein erfährt keine Aufwertung. Deshalb verläuft ihr Leben genau so weiter, wie bisher.

Dann gibt es noch die Sammler. Sie sammeln entweder um des Sammelns willen, so, wie man Briefmarken sammelt und sich über besonders schöne und seltene Stücke freut, oder sie sammeln, um einzelne Stücke bei einer sich bietenden Gelegenheit gewinnbringend wieder zu verkaufen.

Ich selber besitze auch ein Amulett. Das ist von Luang Phor Khoon, dem wohl derzeit bekanntesten Mönch Thailands. Das ist ein in dünnes Kupferblech geprägtes Bildnis dieses weltberühmten Mönchs, umrahmt von kleinen Bildnissen und magischen Zeichen. Es ist etwas größer, als eine Scheckkarte und weil es keine Öse besitzt, kann ich es leider nicht an einer Kette um den Hals tragen.

Das Amulett soll mir aber etwas nützen und deshalb habe ich es in meinem Wagen an der Fahrerseite gut sichtbar hinter die Windschutzscheibe geklemmt. Da entfaltet es hin und wieder tatsächlich eine segensreiche Eigenschaft. Jedes mal wenn ich von einem Polizisten angehalten werde, fällt dessen Blick auf das Bildnis des hoch verehrten Mönches und was macht der Polizist? Vielleicht lässt er sich von mir meinen Führerschein zeigen, doch eine Strafe, weil ich noch so eben bei rot über die Kreuzung gehuscht bin, die Vorfahrt nicht beachtet oder etwas zu schnell gefahren bin, erhalte ich nicht. Jemanden, der ein Amulett dieses großen Mannes sein eigen nennt, ihn folglich verehrt, den bestraft man wegen solcher Kleinigkeiten nicht.

In den westlichen Ländern hat schon vor längerem der Esoterik- und Schmuckhandel den Vertrieb von Amuletten entdeckt und täglich erscheinen neue Angebote im Internet. Wer es mag, der mag diesen ausgefallenen Schmuck ruhig tragen. Für Touristen ist solch ein Amulett ja auch ein schönes Andenken an den Thailandurlaub. Hat es doch etwas Mystisches an sich und wer weiß es schon genau, vielleicht entfaltet sogar ein Plagiat aus einer Massenfertigung eine segensreiche Kraft.

Ist folgendes nicht wunderbar und hilfreich? Ein deutscher Esoterik – Versandhandel, der auch Amulette aus Thailand anbietet, gibt sogar eine Anleitung heraus, wie ein Amulett angeblich behandelt wird und deshalb in Deutschland behandelt werden muss, damit es eine Wirkung entfaltet. Also, aufgepasst:

Vor dem ersten Tragen sollten Sie das Amulett energetisch reinigen. Falls Sie das Amulett nicht nur als Schmuckstück tragen möchten, ist es wichtig, eine persönliche Beziehung zu ihm aufzubauen.

Sie können folgendes tun: Tragen Sie das Amulett 24 Stunden bei sich (am Hals, unter der Kleidung usw.), möglichst ohne es jemandem zu zeigen. Das Amulett nimmt nun Ihre persönliche Schwingung an. Zusätzlich sollten Sie es während dieser Zeit mindestens viermal für je 10 Minuten in der Hand halten, wobei Sie mit eigenen Worten die erhoffte Wirkung aussprechen.

So kann das Amulett sein Wirkungsfeld auf die zu vervollkommnenden Sphären Ihres Körpers bzw. Ihrer Seele einstellen. Anschließend können Sie auf der Rückseite Ihre persönlichen Zeichen einritzen. Das können Ihre Initialen, Familienwappen oder auch selbst entworfene Zeichen sein, zusätzlich vielleicht Ihr Tierkreiszeichen. Muss man aber nicht machen.

Wenn Sie die Aktivierung abgeschlossen haben, sollten sie über die Vorder- bzw. Rückseite blasen, als wollten sie Staub entfernen. Alle fremden, vorhergegangenen Einflüsse sind nun entfernt. Ein derartig gereinigtes Amulett kann man offen und sichtbar tragen, wenn man das will. Trotzdem sollte man darauf achten, dass das Amulett von anderen Menschen nicht berührt wird. Natürlich ist es auch möglich, mehrere Amulette gleichzeitig zu tragen.

Jetzt wissen Sie wie es geht!

Einige buddhistische Mönche beklagen inzwischen, dass das religiöse Vertrauen in die ursprüngliche Lehre immer mehr schwindet und stattdessen der Konsumismus in Form dieser Glücksbringer weiter steigt. Die Religiosität, nicht wie jemand den Buddhismus praktiziert ist der Maßstab, sondern die Menge der Devotionalien, die jemand besitzt.

In unseren Tagen werden die Unterschiede zwischen religiösem Vertrauen und Konsumismus immer geringer. Heutzutage hat sich religiöses Vertrauen dahingehend geändert, dass es bedeutungsvoll ist, religiöse Glücksbringer und Amulette zu kaufen. Die Gläubigkeit eines Menschen wird manchmal sogar nicht mehr daran bemessen, wie jemand praktiziert, sondern daran, wie viele Devotionalien jemand besitzt.

Ungeachtet dieser, zum Teil kritischen Betrachtung, ist immer zu berücksichtigen, dass es in Thailand keine Kirchensteuer oder ähnlichen Einrichtung gibt. Um sich zu finanzieren sind deshalb die Klöster darauf angewiesen andere Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen.
Es ist nicht schwer zu wissen wie man etwas macht,
aber es ist schwer es auch zu tun!

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