Magischer Schmuck

Für alles, was mit Glauben (Buddhismus, Hinduismus, Islam, Judentum, Christentum und/oder der Geisterwelt (Animismus etc.) zu tun hat, z. B. Weltanschauungen, Sitten und Gebräuche, die auf Glaubensrichtungen beruhen; um dem Einen oder Anderen zu helfen, diese als respektgebietend zu erkennen und eben nicht ins Fettnäpfchen zu treten.
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koratwerner (†2012)
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Magischer Schmuck

Ungelesener Beitragvon koratwerner (†2012) » Mo Aug 04, 2008 1:56 pm

DZI - Steine


Gar nicht so selten trifft man in Thailand auf einen Menschen, der ein geheimnisvolles Kordelband um den Hals trägt, auf dem ein länglich oval geformtes Gebilde von etwa 5 cm Länge gefädelt ist. Die Grundfarbe ist meistens schwarz oder braun auf der sich runde und längliche weiße Muster abzeichnen. Nicht vergleichbar mit einem Schmuckstein oder einem Amulett strömt dies glasähnliche Gebilde doch etwas Geheimnisvolles aus und regt meine Neugierde an.

Als ich Don frage, warum einige Menschen diese ausgefallene Zierde um den Hals tragen, murmelt sie ein klein wenig eingeschüchtert so etwas wie „Phii“ und meint weiter, dass man darüber nicht spricht und diese Gebilde aus Tibet stammen. Phii sind in Thailand die Geister, über die man tatsächlich nicht gerne spricht, denn sonst lockt man sie an. Folglich ist das mir bis dahin unbekannte Gebilde vermutlich ein Schutz vor Geister.

Da mir diese kargen Erklärungen nicht ausreichen, suche ich im Internet unter Schmuck aus Tibet und erfahre, dass es sich um die geheimnisvollsten Steine der Tibeter handelt, die in unserem Sprachgebrauch „DZI Steine“ genannt werden.

Die DZI Steine gelten als mysteriös und magisch und sind den Tibetern wertvoller als alle anderen Materialien. Der Wert der DZI Steine beruht auf ihrer großen Schutzwirkung vor Magie, Unglück und Krankheit, die durch das besondere Muster der Steine noch verstärkt wird. Das Kriterium für einen guten DZI Stein sind eine sanfte Oberfläche, intensive Farben - möglichst nahe an schwarz und weiß oder eine gute braune Farbe. Das Wichtigste sind die Anzahl der “Augen” - Der Ursprung der DZI Steine ist bisher ein nicht nachzuweisendes Mysterium.

Die DZI Steine stammen aus dem Himalaja und gelten bei der buddhistischen Bevölkerung auch anderer Länder als Glücksbringer. Es gibt eine Menge an Geschichten und Legenden zu diesen Steinen. Eine besagt, dass diese Steine von den Göttern sind und nur Personen mit einem guten Kharma diese Steine finden. Dieser heilige Ursprung macht die Steine zu begehrten Objekten, da sie dem Träger Glück bringen, und ihn vor Bösem bewahren und Schaden von ihm abwenden sollen.

DZI Steine findet man oft in tibetischen Klöstern an vielen buddhistischen Statuen. Auch in der tibetischen Medizin werden die Steine in pulverisierter Form verwendet. Jeder DZI Stein ist einzigartig. Die meisten DZI Stones haben so genannte Augen im Stein. Je höher die Anzahl der Augen, umso seltener und umso teuerer wird er. Es sollen schon Steine mit bis zu 13 Augen gefunden worden sein. Es gibt aber auch Steine mit Streifen, Wellenlinien etc. Ein DZI Stein muss also nicht unbedingt „Augen“ haben. Je nach Form, Größe und Muster können richtige DZI Steine sehr teuer sein.

Die meisten Steine, die man heute zu kaufen bekommt, sind künstlich hergestellt und keine original DZI Steine. Diese sind inzwischen nur noch sehr schwer und für viel Geld zu bekommen. Ein ersten Test: Mit dem Stein auf Glas ritzen. Tut sich nichts, ist es 100% kein Stein, sondern Plastik. Je nach Form, Größe und Muster sind echte DZI Steine nur noch sehr schwer zu bekommen.

DZI Steine aus dem Himalaja gelten seit Jahrtausenden als die stärksten Talismane überhaupt. Alte und schöne DZI Perlen sind nicht nur gesuchte Sammlerstücke, sondern wegen ihrer magischen Kräfte auch bei allen asiatischen Religionen sehr beliebt. Bekannt wurden Sie im Westen als Halskette der Sherpas vor allem durch Reinhold Messmer, der angeblich seine Burg niemals ohne DZI Perle verlässt.

Nachdem ich das alles gelesen habe, geht mir ein Lichtlein auf, warum ich diese Steine oft auch am Hals thailändischer Männer und Frauen sehe. Thailänder, zumal im Isaan, sind nicht nur gläubige, sondern auch vorsichtige Menschen und da sie ja fast alle an Geister glauben, hängen sie sich eben solch einen DZI Stein, gut sichtbar für alle bösen Geister, als Schutz an den Hals.

Weiter finde ich im Internet, dass die DZI Steine auch in Deutschland verkauft werden. Bei Ebay findet man eine breite Palette deren Preise zwischen wenigen bis zu einigen tausend Euro reichen. Auf der Reise von Asien nach Europa sind die Steine nicht nur wertvoller geworden, sie haben unterwegs sogar an mystischer Kraft gewonnen. Ein deutscher Händler schreibt dazu folgendes:

„Die DZI hat ungewöhnliche Eigenschaften. Während die meisten Halbedelsteine nur einen schwachen Magnetismus haben, ist die DZI eine Ausnahme. Sie hat einen messbar stärkeren Magnetismus als der pure Achatstein. Während die Wissenschaft von einer Anomalie spricht, also keine Idee hat, hier eine Lösung: Magische Zeichen, vor allem die, die aus anderen Dimensionen kommen, erhöhen den Magnetismus. Sie haben die Energie des Erschaffers, der seine starken Gedankenmuster aufgeprägt hat. Die meisten DZI sind geweiht. Das bedeutet, ein Mensch mit starkem Bewusstsein hat lange Zeit die DZI durch Meditation verändert, ihr die Muster und Energie aufgeprägt. Deshalb hat die DZI auch sehr starke Energien, die Schutz geben, Energie und Selbstvertrauen. Dazu kommen Glücks- und Erfolgssymbole. Diese DZI zeigt das Tor zu höheren Dimensionen von denen der Himmelsdrache kommt und die höhere Energie zu uns bringt. Magischer Ausdruck eines genialen Einzelstückes.“

Ich bin baff. In Thailand gibt es diese wertvollen Gebilde für wenige Baht an beinahe jeder Straßenecke und in Deutschland kosten sie oft ein kleines Vermögen. Noch erstaunter bin ich, als ich in den Lagerbeständen meiner Don, die mit Modeschmuck handelt, eine leer gefutterte Keksschachtel bis zum Rand gefüllt mit diesen Steinen entdecke. Ei der Daus, was hat sie da für einen kleinen Schatz, denke ich und liege gewaltig daneben.

Die DZI Steine, die kostbaren und seltenen mystischen Kleinode aus Tibet, hat sie zu einer Zeit, als sie in Thailand große Mode waren, in Bangkok en Gro eingekauft, sie auf schwarze Baumwollfäden gefädelt und in Korat gewinnträchtig weiter verkauft. Jetzt läuft das Geschäft nicht mehr und die industriell aus Achatglas angefertigten Perlen warten in der Keksdose auf dumme Touristen oder sonst wie bessere Zeiten. Nichts ist es also mit seltenen Einzelstücken. Bei jeder Serie ist ein DZI Stein wie der andere. Ob man nun ein solches Stück in Thailand oder in Deutschland erwirbt, wer mehr als drei oder vier Euro für ein solches Schmuckstück auf den Tisch blättert, ist übervorteilt worden.

Genau so, wie Dons DZI Steine Tibet und den Himalaja niemals gesehen haben, sie weder über magische oder magnetische Kräfte verfügen und schon gar nicht von einem Mönch in einem Kloster gesegnet werden dürften, so haben auch die weltweit bis zu einigen tausend Dollar kostenden Steine weder die ihnen angedichtete tibetanische Herkunft, noch die angeblich mystischen und wunderwirksamen Eigenschaften, oder doch?

Doch ja, wer fest daran glaubt, vergleichsweise wie die Thailänder im Isaan daran glauben, dass das Achatglas mit den eingeätzten Motiven an ihrem Hals sie vor den Geistern schützt, der wird auch erfahren, dass der Stein ihm Glück bringt, zumindest aber schlimmeres verhütet.

Was währe unsere nüchterne Welt ohne jegliche Illusion?
Es ist nicht schwer zu wissen wie man etwas macht,
aber es ist schwer es auch zu tun!

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