Dengue-Fieber: Gefahr aus den Tropen

wird durch den Stich der tagaktiven, weiblichen Gelbfiebermücke übertragen, entweder indem sie das Blut einer infizierten Person saugt, und mit ihrem Speichel dann ihr nächstes Opfer infiziert, oder die weibliche Mücke überträgt das Virus auf ihre Larven, deren weibliche Mitglieder die Krankheit weiter streuen. Die Ansteckungsgefahr ist während und kurz nach der thailändischen Regenzeit am höchsten.
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Dengue-Fieber: Gefahr aus den Tropen

Ungelesener Beitragvon newsclip » Mi Apr 25, 2007 3:10 pm

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Dengue-Fieber könnte nach Europa zurückkehren

Mediziner beobachten einen massiven Ausbruch des tückischen Dengue-Fiebers weltweit - die Fallzahlen in den Tropen steigen explosionsartig an. Jetzt warnen Fachleute vor der Gefahr einer Ausbreitung auch in Europa - Klimawandel und Globalisierung treiben den Erreger voran.

Seit Anfang dieses Monats rätseln Epidemiologen über das, was ihre Kollegen in Mexiko, Australien oder aus der Dominikanischen Republik zu berichten haben: Das von der Mückenart Aedes aegypti übertragene Dengue Fieber infiziert ungewohnt viele Menschen.

So erkrankten in den ersten beiden Monaten dieses Jahres in Mexiko bereits 1589 Menschen daran, immerhin sechs Mal mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Aus der Dominikanischen Republik wurden bisher über 1000 Fälle gemeldet, darunter mindestens drei Urlauber aus Deutschland. Betroffen sind auch Indonesien, weite Teile der Karibik und Australien. Die Lage scheint derart dramatisch, dass die Regierung der Dominikanischen Republik am 17. April kurzerhand den "D-Day" ausrief. In einer einzigartigen Aktion starteten Behörden, Militär und besorgte Einwohner auf Anordnung des Gesundheitsministeriums die Trockenlegung von Tümpeln, die als Brutstätte der Mücken gelten.

Auf der anderen Seite des Globus sorgt die mit Fieberschüben und grippeähnlichen Symptomen einhergehende Virus-Erkrankung ebenfalls für Angst. Allein in der indonesischen Hauptstadt Jakarta stieg die Zahl der Erkrankungen im März auf 4423 an - im Jahr zuvor waren es 2249 Patienten. Es sei, konstatiert Salimar Salim, einer der Direktoren des Regional Health Service in Jakarta, "eine außergewöhnliche Situation".

Überträger-Mücken passen sich der Umwelt an

Die Erkrankung ist für tropische Gebiete keinesfalls ein Novum. Nur: Erstmals scheinen sich die Überträger-Mücken an ihre Umwelt anzupassen, sagt Enrique Tayag, Direktor des philippinischen National Epidemiology Center. Obwohl auf den Philippinen keine besonders starken Regenfälle zu verzeichnen waren, kam es Tayag zufolge dennoch zur massiven Dengue-Ausbreitung. Die Mücken nisteten sich offenbar in Wassercontainern und Trinkbehältern ein, um sich dort ungestört zu vermehren - was zur jetzigen Epidemie führte.

Experten in Europa sehen einen klaren Trend klar, erklärt Christian Griot, Leiter des in Mittelhäusern bei Bern ansässigen Instituts für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (IVI) gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Dengue-Fieber ist im Ansteigen begriffen und führt schon heute zu über hundert Millionen Erkrankungen pro Jahr. Im Vergleich dazu ist die Vogelgrippe ein Klecks." Vor allem die Art der Viren bereitet Forschern wie Griot Kopfzerbrechen. Denn die zu den RNA-Viren gehörenden Arboviren seien grundsätzlich in der Lage, zu mutieren. "Eine Anpassung an europäische Verhältnisse ist daher nicht ausgeschlossen", sagt Griot.

Dabei ist eine einzige Infektion nicht einmal lebensbedrohlich. Erst der zweite Befall birgt enorme Risiken für die Gesundheit des Menschen: "Dann ist ein schwerer Krankheitsverlauf mit Blutungen oder Schocksymptomen möglich", wie das Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf in einer aktuellen Dengue-Warnung erklärt.

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Klimawandel, Globalisierung - Risikofaktoren hausgemacht?

Dass sich die Erreger samt Überträger auch in Europa festsetzen werden, scheint mehr als nur möglich. Schon einmal, immerhin bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts, waren die mediterranen Gebiete in Europa vom Dengue-Fieber betroffen. Noch im Jahr 1928 zählten Epidemiologen in Griechenland über eine Million Fälle, mehr als tausend Menschen starben dort an der Virusinfektion. Erst in den fünfziger Jahren verschwand die Überträger-Mücke, Aedes aegypti, und mit ihr auch die Dengue-Plage aus der Alten Welt. Der massive und aus heutiger Sicht nicht mehr vertretbare Einsatz des Insekten-Vernichtungsmittels DDT machte damals den Überträgern das Überleben schwer.

Eine langsame Klimaerwärmung könnte für ein Dengue-Comeback in Europa nun "begünstigend wirken", sagt Andreas Krüger, Insektenforscher vom Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Für den im Fachbereich Tropenmedizin am Bernhard-Nocht-Institut tätigen Wissenschaftler scheint vor allem das Überspringen der Dengue-Erreger auf eine andere Mückenart, nämlich auf Aedes albopictus, problematisch.

Die Asiatische Tigermücke gilt nicht nur als besonders widerstandsfähig, sondern befindet sich auch auf einem globalen Siegeszug. "Die erste Invasionsmeldung in moderner Zeit kam 1979 aus Albanien", so Krüger. "Seitdem verlängerte sich die Länderliste nahezu jährlich, indem dieser exotische Eindringling in Teilen Südamerikas, der Karibik, des Pazifik und vor allem in Nordamerika heimisch wurde." Seitdem gehört die Tigermücke zu den "100 of the World's Worst Invasive Alien Species".

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<p>Der unerfreulichen Rangliste macht die Mücke alle Ehre. Mittlerweile melden gleich zwölf europäische Staaten ihr Vorhandensein, darunter auch Deutschlands Nachbarn Belgien, die Schweiz und die Niederlande. Der zunehmende und globale Handel vor allem auf dem See- und Landweg ermöglicht es den Mückenlarven, ihre ursprünglichen Gebiete zu verlassen und nach Europa zu gelangen. "Schuld daran sind vor allem Altreifen- und Zierpflanzentransporte, mit denen die Eier und Larven verschleppt wurden", sagt Krüger. Genaue Voraussagen für das Auftreten von Dengue-Fieber in Deutschland seien zwar unmöglich. "Aber ein erhöhtes Risiko kann nicht geleugnet werden."

Der Spiegel 19. April 2007

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