Hochwasser im Isaan

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koratwerner (†2012)
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Hochwasser im Isaan

Ungelesener Beitragvon koratwerner (†2012) » So Sep 28, 2008 10:52 am

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Lang anhaltende Dürreperioden und Überschwemmungen sind im Isaan an der Tagesordnung. Mein Freund Lutz wohnt in der Nähe eines kleinen Flüsschens und kann ein Lied davon singen. Ein Lied? Mehrere Lieder hat er drauf und gestern hat er mir per Handy eins vorgesungen. Hochwasser! Darauf hat er sich in diesem Jahr eingestellt und Vorsorge getroffen.

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Gleich steht das Wasser noch höher und ich wage es nicht anzuhalten.

Wenn das Wasser kommt, wird in seinem kleinen Dorf die einzige befestigte Straße so hoch überschwemmt, dass sie mit seinem tief liegenden Wagen nicht mehr befahrbar ist. Also hat er das Wichtigste für den Fall des Falles gehortet. Zigaretten, Bier, Trinkwasser und Lebensmittel für etwa 2 Wochen.

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Jetzt ist das Ereignis eingetreten. Seit einer Woche sitzt er auf seiner kleinen Insel und kommt nicht mehr herunter. Ärgerlich, doch kein großes Problem. Denkt er. Vorgestern war das Bier alle und seine Mia konnte nicht kochen, weil die Gasflasche leer war. Alle? Kann doch nicht sein, denkt er und inspiziert seine Vorräte. Nicht nur die Vorräte sind bis auf klägliche Reste zusammengeschrumpft, auch zwei Gasflaschen sind verschwunden.

Dann stellt sich heraus, Oma und Opa brauchten Gas, hatten aber keines. Die Schwägerin mit ihrer sechsköpfigen Familie konnte auch nicht mehr kochen und da hat die liebe Tochter, Schwester und seine Frau den armen Not leidenden Leutchen etwas unter die Arme gegriffen. Das gehört sich doch so, oder?

Das Bier ist in den Besitz der männlichen Verwandtschaft übergegangen. Die armen Männer konnten doch wegen dem Hochwasser nicht aufs Feld und hockten in ihren überschwemmten Hütten. Ein kleiner alkoholischer Trost war da doch angebracht und das seine Mia der hungernden Verwandtschaft mit den gehorteten Lebensmitteln ausgeholfen hat, das war doch ein Akt reiner Nächstenliebe. Lutz ist sprachlos, durstig und hungrig.

Doch welch ein Trost, Zigaretten hat er aber noch.

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Unter dem Zelt ist die Straße eingebrochen. Vermutlich soll der nächste Regen nicht noch mehr Asphalt wegspülen.

Gestern war das Hochwasser soweit gesunken, dass ich mich mit meinem Pik-Up bis zu ihm durchkämpfen konnte. Zwar hatten die Straßen gelitten, doch ich kam durch. Trinkwasser, Bier, Cola, Körnerbrot und Margarine bescherten eitel Freude und Oma samt Opa langten sofort zu, als sie zum Hähnchenessen eingeladen wurden.

Was dem einen sein Leid, ist dem anderen sein Freud. Sagt man. Freude hatten diese Männer, die an einem Tünpel hockten, in dem sich das abfließende Wasser von den Feldern staute und da gab es Fische. Man brauchte sie nur aus dem Wasser holen und das geht so:

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Das abfließende Wasser wird über Netze geleitet.

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Der Fang besteht aus kleinen Fischen, ganz kleinen.

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Ist das Wasser etwas tiefer, wird mit Wurfnetzen gefischt. Das Netz sinkt ab und wird umgehend wieder angehoben. Die Maschenweite ist etwas größer, als bei den Stellnetzen. Die Fische auch, wenn welche drinn sind.

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Während das Netz wieder zusammengelegt wird, darf der nächste Fischer sein Glück versuchen.

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Hier schwimmen noch abertausende der kleinen Fische und bis das Wasser abgelaufen ist, kann noch einiges gefangen werden.

Lutz, der ja jetzt nichts anderes unternehmen kann, könnte ja auch so seinen Speisenplan erweitern. macht er aber nicht, die Fischlein sind ihm zu klein. Morgen rufe ich ihn wieder an und erkundige mich nach dem aktuellen Wasserstand. Wenn Lutz dann immer noch mit seinem Wagen vom Wasser eingeschlossen ist, fahre ich die nächste Versorgungstour und dann

:prost :prost :bäh
Zuletzt geändert von KoratCat am So Okt 18, 2015 3:04 pm, insgesamt 6-mal geändert.
Grund: Text ergänzt, Bilder eingefügt
Es ist nicht schwer zu wissen wie man etwas macht,
aber es ist schwer es auch zu tun!

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Re: Hochwasser im Isaan

Ungelesener Beitragvon KoratCat » So Sep 28, 2008 1:10 pm

Beruhigend zu wissen, dass der Werner in zweiter Linie zur Versorgung bereitsteht. Jetzt braucht man wenigstens keine Hemmungen mehr haben schon vor dem Hochwasser hinzulangen. :lol:

Tja, mit dem Fortschritt im Isaan kommen die Flüche der Zivilisation. Früher fuhr man auch bei Überschwemmung mit dem Tuktuk zum Einkaufen nach Nonsung, nach Korat darf man damit nämlich nicht. Unter einem Tuktuk wird hier draussen eine Art Traktor mit Pritsche, manchmal mit Sitzreihen, verstanden, der zwar langsam fährt, aber fast jedem Hochwasser trotzt; nur der Weg muss im Zweifel ab und zu mal mit einem langen Stock vom Fahrer ertastet werden. Aber jetzt ist man verloren, wenn der Sportwagen nicht tauchen kann. :cussing

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Re: Hochwasser im Isaan

Ungelesener Beitragvon khithen » So Sep 28, 2008 7:11 pm

koratwerner hat geschrieben:Das abfließende Wasser wird über Netze geleitet.
Der Fang besteht aus kleinen Fischen, ganz kleinen.


Hallo Werner,
solche Szenen wiederholen sich bei uns ebenfalls Jahr für Jahr. Übrigens sind die begehrten kleinen Fische bestens geeignet für Pala.
Was das Wasser von den Strassen weggeschwemmt hat wird mit roter Isaan-Erde wieder auf gefüllt. Ergo: beim nächsten heftigen Niederschlag wartet wieder die selbe Arbeit auf die Freiwilligen.
Ich habe mir mal die Frage erlaubt: warum nicht einmal und dann richtig :wie
die Antwort: das haben wir schon immer so gemacht :roll:
Gruss Rudi
....... der Weg ist das Ziel

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Re: Hochwasser im Isaan

Ungelesener Beitragvon KoratCat » So Sep 28, 2008 7:44 pm

khithen hat geschrieben:Ich habe mir mal die Frage erlaubt: warum nicht einmal und dann richtig :wie
die Antwort: das haben wir schon immer so gemacht :roll:


Ich denke eher, die Pujais und der Khamnan gehen nicht oft genug mit prall gefüllten Taschen auf "Seminare" :oops:


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