Ungewöhnlicher Drogenhändler

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KoratCat
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Ungewöhnlicher Drogenhändler

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Do Jul 07, 2011 9:52 am

Ungewöhnlicher Drogenhändler

Drogenhandel Weil er in Thailand und Kambodscha Touristen als Drogenkuriere angeworben hat, muss ein 31-jähriger, gut gebildeter Landkreisbürger über fünf Jahre ins Gefängnis.

Ein 31-Jähriger aus dem Landkreis Kitzingen hat in Thailand und Kambodscha Touristen als Kuriere angeworben für den Transport von Haschisch nach Europa. Gestern wurde der Mann vom Landgericht Würzburg zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten verurteilt.
Vier Rauschgift-Kuriere sind in Großbritannien, Finnland und Deutschland mit jeweils zwischen acht und zehn Kilogramm Haschisch im Koffer festgenommen worden. Sie hatten alle aus finanziellen Gründen das Angebot angenommen, auf dem Heimflug "ein bisschen was" gegen gute Bezahlung mit zu nehmen. Einer der Kuriere hatte bei der Polizei sogar "gebeichtet", dass er vorher schon zweimal für die Rauschgifthändler unterwegs war.

Dick im Geschäft

Koffer mit Rauschgift hatten die Touristen im indischen Bombay und Neu Delhi, in Katmandu in Nepal und im thailändischen Bangkok übernommen. Sie waren ausnahmslos finanziell ziemlich am Ende und wurden unterschiedlich entlohnt: Einer erhielt 1500 Euro, ein anderer bekam 3000 US Dollar und ein anderer 1000 britische Pfund.
Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass der Mann aus dem Landkreis Kitzingen ebenso wie sein Komplize, der zurzeit noch eine Freiheitsstrafe in Asien verbüßt, dick drinn´ war im Geschäft. Eine neue Anklage, bei der es um weitaus größere Mengen als in diesem Prozess gehen soll, ist in Vorbereitung.
Das Rauschgift war angeblich für Abnehmer in Amsterdam bestimmt, über die in dem Prozess nicht gesprochen wurde. In mehreren Fällen hat der Angeklagte die Kuriere in London erwartet und in einem internationalen Schnell-Restaurant die Koffer übernommen. Vor dem Weiterflug nach Deutschland durften Kuriere mit Zwischen-Stopp London dort in einem Hotel übernachten, das Zimmer hatte der Angeklagte für sie gebucht.
Ohne Geständnis, so Staatsanwältin Katja Richter, hätte sie eine Freiheitsstrafe zwischen acht und neun Jahren beantragt. Da der Angeklagte aber alles zugegeben hat, war der Fall zwei Stunden nach Beginn der Verhandlung bereits rechtskräftig erledigt, die Beteiligten verzichteten auf Rechtsmittel. Daher konnte auch einer der Kuriere, der als Zeuge geladen war, ohne Aussage wieder die Heimreise antreten.
Für Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Gericht war der Angeklagte ein ganz untypischer Drogenhändler: Selbst kein Konsument, erkennbar überdurchschnittlich intelligent, mit einem Talent für Sprachen und nach eigenen Angaben einer Berufung für den Lehrerberuf. "Drogenhändler sehen sonst ganz anders aus", so das Gericht kopfschüttelnd zu dem 31-Jährigen. Schwer nachvollziehbar sei, so der Vorsitzende Richter Volker Zimmermann, dass so ein junger Mann mit Super-Schulausbildung im In- und Ausland und einer ganzen Reihe von Zertifikaten und Diplomen ausländischer Hochschulen im Fremdsprachenbereich, so abstürzen konnte.
Sieben Sprachen spricht der Angeklagte nach eigenen Angaben flüssig, darunter auch das kambodschanische Khmer und Thai, er hat sich in Südamerika und an asiatischen Hochschulen weitergebildet und dort zum Teil als Lehrkraft für Mathematik, Oxford-Englisch und weitere Sprachen an internationalen Schulen, aber auch als Privatlehrer in vermögenden Familien gearbeitet und dabei gut verdient.
Da in seiner neuen Heimat Thailand und Kambodscha immer mehr "billige Lehrkräfte", vor allem aus Südafrika auf den Bildungsmarkt drängen, hatte der Angeklagte sich beruflich neu orientiert: Er wollte einen Reiseführer herausbringen, fand für seine Texte aber keinen Verlag. Deswegen sei die logistische Mitarbeit im Drogenhandel, die ihm in Thailand von einem Mann mit ebenfalls fränkischen Wurzeln angeboten wurde, gerade recht gekommen. In der Hierarchie des Drogenhandels stand der Angeklagte nach Überzeugung des Gerichts zwischen den Kurieren und dem Boss des Unternehmens, den nach der beabsichtigten Rückkehr nach Deutschland ebenfalls noch ein Prozess in Würzburg erwartet.

Der Angeklagte schämt sich

Inzwischen schäme er sich für diese Geschäfte, so der Angeklagte, der im Juli 2010 im Landkreis Kitzingen festgenommen worden war. Er habe es auch nach einem Jahr in Untersuchungshaft noch nicht fertig gebracht, Kontakte zu ehemaligen Freunden und Bekannten aus der Zeit am Gymnasium und an der Fachoberschule wieder aufzunehmen. Das Niveau vieler seiner Mitgefangener empfinde er als belastend, im Knast sei er Chef der Hausarbeiter und Sprecher der Untersuchungsgefangenen.

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