Resistente Malaria breitet sich aus

Malaria (von lateinisch mala aria oder mal’aria ‚schlechte Luft‘, die insbesondere aus den Sümpfen steigt) – auch Sumpffieber, Wechselfieber (auch für Marschenfieber verwendet) oder Kaltes Fieber genannt – ist eine Tropenkrankheit, die von einzelligen Parasiten der Gattung Plasmodium hervorgerufen wird. (Wikipedia)
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Resistente Malaria breitet sich aus

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Sa Mai 05, 2012 3:22 pm

Resistente Malaria breitet sich aus

Untersuchungen im Nordwesten Kambodschas und in Thailand zeigen Erreger, gegen den Artemisinin nicht mehr wirkt

Saphire und Rubine bilden den Reichtum der Region Pailin im Nordwesten Kambodschas. Die Edelsteinminen rund um die letzte Trutzburg der Roten Khmer ziehen jährlich Tausende Wanderarbeiter aus Laos, Thailand, Myanmar und anderen Regionen Kambodschas an. Jetzt hat sich die Region an der Grenze zu Thailand zu einem Gesundheitsrisiko für Millionen von Menschen weit über Kambodscha hinaus entwickelt. Denn von hier aus verbreitet sich seit gut zehn Jahren eine Malariaform, die resistent gegen das derzeit wirksamste Malariamedikament Artemisinin ist.

Fieberhaft arbeiten Wissenschaftler daran, jene mutierten Stellen im Erbgut des von Moskitos übertragenen Erregers Plasmodium falciparum zu identifizieren, die verantwortlich für die Resistenzen sind. Aber das ist einfacher gesagt als getan, zumal die Wissenschaftler bis heute nicht einmal genau wissen, wie das von chinesischen Forschern auf Grundlage traditioneller chinesischer Medizin vor einigen Jahrzehnten entwickelte Artemisinin funktioniert.

Eine wesentliche Ursache der Mutationen kommt aus (überwiegend chinesischen) Untergrundlaboren: Fälschungen des Artemisinin. Die falschen Medikamente enthalten entweder eine zu geringe Dosis des Originalwirkstoffs oder sind gleich komplett aus Mehl gepresst. Ein Schlaglicht auf das Ausmaß des Problems der Medikamentenfälschungen wirft eine vor wenigen Jahren veröffentlichte Studie der US-Pharmabehörde »U.S. Pharmacopeia«: Im Grenzgebiet von Kambodscha und Thailand erwiesen sich 60 Prozent der Malariamedikamente als gefälscht.

Malaria ist weitgehend eine Krankheit der Armen in Asien und Afrika. Sie ist eine Krankheit der Slumbewohner, der legalen und mehr noch der illegalen Wanderarbeiter, Subsistenzbauern und benachteiligten ethnischen Gruppen in abgelegenen Regionen. Weltweit sind nach Schätzungen der WHO 216 Millionen Menschen von der Malaria betroffen und 655 000 sterben jährlich an der Infektionskrankheit. Mit mehr als zwei Millionen Malariafällen (2010) sind Südostasien und Indien nach den afrikanischen Ländern die am stärksten von Malaria betroffenen Weltregionen.

Anlässlich des Weltmalariatags warnte die Weltgesundheitsorganisation WHO vor einer Ausbreitung der therapieresistenten Malaria in andere asiatische Länder wie Vietnam oder gar Indonesien. »Mit Schrecken sehen wir die Möglichkeit der Entwicklung einer Artemisinin-Resistenz in Afrika, das weltweit das größte Malariaproblem hat«, sagte Shin Young-soo, WHO-Regionaldirektor für die westpazifische Region. Der Malariaexperte forderte »größeres internationales politisches Engagement, um mehr Mittel für die Erforschung und Entwicklung neuer und verbesserter Instrumente zur Bekämpfung neuer Bedrohungen wie der Medikamentenresistenz verfügbar zu machen.«

Vor allem aber könnten die Resistenzen die beachtlichen Erfolge der Malariabekämpfung der vergangenen Jahre zunichtemachen. Hatten in Südostasien 2005 nur 79 000 Menschen Zugang zu Artemisinin-Therapien, waren es 2010 bereits 3,9 Millionen. Gewaltige Fortschritte wurden auch bei der Prävention von Malaria durch einfache und preiswerte Methoden wie Aufklärung oder die Verteilung von mit Insektiziden getränkten Moskitonetzen gemacht. In Ländern wie Thailand, Indonesien oder auch Osttimor ist die Zahl der Malariafälle rückläufig. In Nepal, Südkorea und Sri Lanka ist die Malariabekämpfung so erfolgreich, dass sie mittelfristig den malariafreien Status der Malediven erreichen könnten.

Der malaysische Staat Sabah auf Borneo ist ein schönes Fleckchen Erde, in dem es noch intakte Regenwälder gibt, in denen sich allerlei einzigartiges (zum Teil vom Aussterben bedrohtes) Getier tummelt. Sabah ist aber neben der benachbarten philippinischen Insel Palawan auch der Ort, an dem eine neue, tödliche Form der Malaria entdeckt wurde. Bisher erkrankten nur Makaken an der von Plasmodium knowlesi (PK) ausgelösten Malaria. Aber seit einigen Jahren sehen Wissenschaftler und Ärzte immer mehr mit der Affenmalaria infizierte Menschen.

Ein Forschungsprojekt der London School of Hygiene and Tropical Medicine will jetzt mit Studien in Kudat im Norden Sabahs der PK-Malaria auf den Grund gehen. »Unser Hauptziel ist es herauszufinden, wie wir die Krankheit am besten diagnostizieren und behandeln können«, sagte Chris Drakeley, Leiter des Forscherteams, im April bei einer PK-Malaria-Konferenz in Sabahs Hauptstadt Kota Kinabalu.

Die gefälschten Malariamedikamente haben unterdessen längst mindestes elf Länder Afrika erreicht, wie eine Anfang 2012 im »Malaria Journal« veröffentlichte Untersuchung zeigt. Die Wissenschaftler fordern »entschiedene Maßnahmen« gegen die Fälscher, die »das Leben von Millionen von Menschen, insbesondere aber von Kindern und schwangeren Frauen aufs Spiel setzen«.

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