Einsturz des Royal Plaza Hotels am 13. August 1993

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KoratCat
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Einsturz des Royal Plaza Hotels am 13. August 1993

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Do Mär 05, 2009 11:03 pm

Das Berufungsgericht der Provinz Nakhon Ratchasima hat heute in Aufarbeitung der Tragöde, bei der 137 Menschen ums Leben kamen und viele schwer verletzt wurden, die Stadt Nakhon Ratchasima, die Baufirma Wongsinthai Limited Partnership, deren Eigentümer Amorn Janrattanapreeda, den Bauingenieur Sathorn Promnin, and den aufsichtführenden Ingenieur Bampen Panratissara wegen deren grober Fahrlässigkeit gesamtschuldnerisch zu 152 Millionen Baht plus 7,5 % Zinsen seit dem 13. August 1993 als Schadensersatz und Regress an die Eigentümer des Royal Plaza Hotels verurteilt. Die Eigentümer des Royal Plaza Hotels hatten den Opfern bereits direkt Schadensersatz geleistet und sie versorgt. Bampen Panratissara war in einem verbundenen Verfahren bereits vom Obersten Gerichtshof zu 37 Jahren Haft verurteilt worden.

Da kann man nur hoffen, dass es nicht noch einmal 15 Jahre dauert, bis der Oberste Gerichtshof das Urteil bestätigt hat.

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KoratCat
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Re: Einsturz des Royal Plaza Hotels: Urteil zu Regressansprüchen

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Fr Mär 06, 2009 3:12 pm

So manch einer, der 1993 noch nicht in Korat war oder von Korat gehört hat, wird sicher wissen wollen, was da passiert ist. Die einzige deutschsprachige Referenz im Internet führt zu einer Meldung vom TIP, wo verkündet wird "Die Meldung in „The Nation“ läßt die Hintergründe aus, der TIP liefert sie nach". Die ersten Worte lassen jedoch bereits erkennen, dass dabei keine fundierten Informationen zugrunde gelegen haben. Weitere Diskussion des Artikels dort erübrigt sich.

Am Freitag, dem 13. August 1993, gegen 10:30 Uhr Ortszeit stürzte innerhalb von weniger als 10 Sekunden das 6-stöckige Gebäude an der Chomsurang Road in sich zusammen und begrub 379 Personen unter sich, 137 starben und 229 wurden schwer verletzt. Etwa 2 Stunden nach dem Einsturz und mehrmals in den folgenden Tagen und Wochen kam ich an dem Trümmerhaufen vorbei. Das Gebäude war wie bei einer professionellen Sprengung zum Gebäudeabriss vertikal unter seiner eigenen Last zusammengebrochen, ganz schnell ohne Gelegenheit seitlich zu fallen. Es ergab einen fast ordentlich nach Stockwerken geschichteten Haufen. Nur der mit dem Gebäude nicht fest verankerte, vorgebaute Aufzugsschacht war stehen geblieben.

Zur Zeit des Einsturzes befanden sich 379 Personen in dem Gebäude: 117 Beamte des Erziehungsministeriums (die Sekundarschuldirektoren des Nordostens von Thailand), die bei einem Seminar im Benjamas Room im 2. Stock waren, 59 von Shell (Thailand) im Chuanchom Room im 4. Stock. 78 Hotelgäste sowie 125 Hotelangestellte. Am Ende der Rettungsaktion am 3. September wurden 127 Tote und 227 Verletzte berichtet.

Nach der Baugenehmigung aus dem Jahre 1983 war das ursprünglich als Massagesalon genutzte Gebäude 3-stöckig mit einem Kellergeschoss (Chaopraya Bar). 1985 erteilte die Baubehörde Genehmigung für den Umbau zum Hotel. Erst 1990 wurde eine Baugenehmigung zur Aufstockung um drei Stockwerke beantragt.In den damals eingereichten Bauplänen gibt es keine Aufzeichnungen über eine Verstärkung des Fundaments und der Pfosten. Im Auftrag der Bauaufsichtsbehörde wurden von einer ortsansässigen technischen Institution Erdproben genommen und bestätigt, dass die Sicherheit durch das bestehende Fundament beim Aufstocken um drei Stockwerke gewährleistet sei. Es wurde kein Versuch unternommen, die Sicherheit der Träger und Pfeiler durch weitere Tests zu überprüfen. Die Erlaubnis zum Aufstocken wurde erteilt.

In nachfolgenden Untersuchungen zur Unglücksursache kamen die Sachverständigen überein, dass die Baustruktur des Gebäudes nach dem Aufstocken um 3 Stockwerke unter Standard war, jedoch die Wahrscheinlichkeit des Eintretens des Ereignisses in der geschehenen Weise auch extrem gering gewesen sei, dass praktisch alle Träger bzw. Pfeiler gleichzeitig brachen bzw. in viele kleine Brocken zersprengten, nachdem sie bereits Jahre bis zur Grenze ihrer Trag- bzw. Stützfähigkeit belastet waren. Der Einsturz geschah drei Jahre nach der letzten baulichen Veränderung ohne äussere Einflüsse. Es gibt auch keine Erklärung, wie das Gebäude nach dem Aufstocken um drei Stockwerke noch 3 Jahre hat stabil stehen können. D. h. nach der in den eingereichten Bauplänen verzeichneten Bauweise wäre mit einem früheren und nicht unbedingt vertikalen Einsturz zu rechnen gewesen. Wie im Detail tatsächlich gebaut wurde, ist derzeit nicht dokumentiert. Nach Abschluss aller Gerichtsverfahren könnte vielleicht eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung unter Auswertung auch aller Gerichtsakten erfolgen.

Es gab verschiedene Strafverfahren, in denen erst Verurteilungen von Hotelangehörigen, in der Berufung dann deren Freisprüche und schließlich dann vom Obersten Gerichtshof die Verurteilung des Bauleiters zu 37 Jahren Haft erfolgten.

An der Stelle des Royal Plaza Hotels steht seit vielen Jahren nunmehr ein chinesischer Tempel.

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Re: Einsturz des Royal Plaza Hotels: Urteil zu Regressansprü

Ungelesener Beitragvon chrisjago2003 » Fr Mär 06, 2009 4:00 pm

Danke fuer die Hintergrundinfos, die konnt ich aus dem englischen nicht rauslesen. Ich muss gestehen von dem Einsturz wusste ich vorher nichts, is aber auch ne Weile her. Wenn Zeit da is koenntest du mal via Googlemaps ne Orientierungsmarke setzen?
Gruesse Chris

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Re: Einsturz des Royal Plaza Hotels: Urteil zu Regressansprüchen

Ungelesener Beitragvon koratwerner (†2012) » Fr Mär 06, 2009 4:42 pm

Über dieses Unglück wird auch heute noch manchmal gesprochen, doch nie habe ich so eine Information gelesen, bzw. aus Gesprächen entnommen, wie das Klaus hier dargesellt hat.

Sicher eine Tragödie als Folge einer Schlamperei, die sich hoffentlich hier und woanders nicht wiederholt.

Werner
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Re: Einsturz des Royal Plaza Hotels: Urteil zu Regressansprüchen

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Fr Mär 06, 2009 5:08 pm

chrisjago2003 hat geschrieben:Wenn Zeit da is koenntest du mal via Googlemaps ne Orientierungsmarke setzen?


Das ist arg lange her. In der Gegend hat sich viel verändert seitdem. Ich hab nur noch den ungefähren Ort und Bilder von dem Schutthaufen, von einer Versammlung in dem Saal im 2. Stock und von der Kellerbar im Kopf. Aber es war ungefähr in dem Areal (GE Ortsmarke)

chrisjago2003 hat geschrieben:Ich muss gestehen vondem Einsturz wusste ich vorher nichts, is aber auch ne Weile her


Von dem Einsturz wurde damals sogar in der "Tagesschau" berichtet. In dieser wahrscheinlich ersten Erwähnung von Nakhon Ratchasima im Deutschen Fernsehen wurde auch berichtet, dass viele Lehrer bei dem Unglück umgekommen sind. Ich war damals in der Lehrerausbildung tätig und einige der Opfer waren mir wohl von Fortbildungsseminaren bekannt. Meine Mutter hat fast durchgedreht, als sie das mit den Lehrern im Fernsehen hörte, dachte, es könnte mich auch erwischt haben. Schickte mir sofort ein Telegramm und fragte.

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Re: Einsturz des Royal Plaza Hotels: Urteil zu Regressansprüchen

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Fr Apr 03, 2009 10:39 am

Endlich: Nach 16 Jahren wurde nun ein Urteil gefällt

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Verantwortliche des Hotel-Einsturzes in Nordthailand zu hohen Geldstrafen verurteilt
08.03.2009 08:34 eingesandt von Alex Mais für OnlineZeitung 24.de - Lokales, Vermischtes

Nach nunmehr 16 Jahren gab es endlich ein Gerichtsurteil für die Verantwortlichen an der Einsturzkatastrophe des Royal Plaza Hotel in Nakhon Ratchasima (Korat/Nordthailand), bei der am Freitag, dem 13. August 1993, mindestens 138 Menschen ums Leben kamen…

Der Einsturz geschah bei Bauarbeiten zur Renovierung und Aufstockung einer zusätzlichen Etage des Royal Plaza Hotel. Zum Zeitpunkt der Katastrophe sollen sich mehr als 500 Menschen in dem Gebäude, in dem gerade zwei Kongresse stattfanden befunden haben. Zwischen 270 und 350 Personen (die Angaben schwankten) konnten sich selbst retten oder wurden nach dem Einsturz lebend geborgen. Sie wurden ausnahmslos in die umliegenden Krankenhäuser eingeliefert, wo ihre zum Teil schweren Verletzungen behandelt wurden.

Bis zum Sonntagmorgen wurden 88 Tote geborgen. Die Rettungsmannschaften von Polizei, Armee, Feuerwehr und Ärzten gingen zu diesem Zeitpunkt noch von bis zu 100 weiteren Verschütteten aus. Von mindestens 20 von ihnen sollen Klopfzeichen gehört worden sein. Erfreulich war die Nachricht, dass es den Rettern am Morgen des 14. August gelungen war noch einige Überlebende aus den Trümmern zu bergen. Zu anderen Verschütteten konnte eine Notversorgung hergestellt werden. Bei anderen jedoch, die tief unter den Trümmern lagen, wurden die Klopfzeichen immer schwächer, so dass eine Rettung zu diesem Zeitpunkt aussichtslos erschien. Deshalb grenzt es nahezu an ein Wunder, dass am Sonntag weitere Überlebende gefunden und geborgen wurden.

Zu diesen Überlebenden gehörte das 29 Jahre alte Zimmermädchen Maniwan Titisaksoporn. Sie war mit beiden Beinen unter einem Betonträger eingeklemmt und nur durch einen Tunnel, den die Retter gegraben hatten, erreichbar. Es gelang nicht, den Träger anzuheben, so dass ein Team von Notärzten und Chirurgen, 60 Stunden nach dem Einsturz, in dem Trümmerhaufen beide Beine amputieren mussten. Etwa zehn Meter entfernt wurde ein zweites, noch lebendes Zimmermädchen gefunden.

Am Sonntagabend hieß es, dass immer noch mindestens drei weitere Überlebende unter den Trümmern seien. Das thailändische Fernsehen, Kanal Neun, sprach zu diesem Zeitpunkt bereits von über 100 Toten und immer noch rund 50 Vermissten. Bereits am Samstag konnte die hochschwangere, 21jährige Pannee Veesaphen mit einem zerquetschten Arm und einem gebrochenen Bein gerettet werden. Kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus brachte sie per Kaiserschnitt einen gesunden Jungen zur Welt.

Starke Regenfälle, Temperaturen bis zu 40° und die drohende Gefahr einer Gasexplosion behinderten die Rettungsarbeiten. Bis zum Samstagmorgen wurden mindestens zwei der ca. zwei Dutzend im Hotel befindlichen Ausländer tot geborgen. Am Sonntag stieg deren Zahl auf drei an. Es handelte sich dabei um einen Amerikaner, eine Britin und vermutlich eine Japanerin. Deutsche befanden sich nicht im Hotel.

Der damalige thailändische Ministerpräsident Chuan Leekpai sagte in einer Presseerklärung zu dem Unglück: „Erneut hat eine Missachtung von Bauvorschriften zur Katastrophe geführt!“ Diesen Vorwurf wies der Hoteldirektor Wittaya Wongwacharakarn damals entschieden zurück. Tatsache ist jedoch, wie die internationalen Medien berichteten, dass das Hotel ursprünglich nur für drei Etagen geplant wurde. Bereits vor einigen Jahren war es aber schon auf sechs Etagen aufgestockt worden. Zum Zeitpunkt der Katastrophe wurde es gerade um ein siebtes Stockwerk erweitert. Zusätzlich befanden sich bereits vier riesige Wassertanks auf dem Dach des Gebäudes. Das war zuviel. Unter der zusätzlichen Last stürzte das als bestes Hotel der Stadt geltende Royal Plaza wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Der Architekt, ein verantwortlicher Ingenieur und der Hotelbesitzer wurden inzwischen von der Polizei wegen Missachtung von Bauvorschriften verhaftet. Die Zahl der Todesopfer stieg auf mindestens 138 an. Am Abend des 16.8. konnten noch fünf Frauen aus einem Konferenzsaal lebend geborgen werden. Das Hotelmanagement muss von der Baufälligkeit des Royal Plaza in Korat gewusst haben. Dokumente beweisen Risse in den Decken von 39 Zimmern auf insgesamt drei Etagen!

Dieses Unglück hat mich damals auch persönlich sehr getroffen, da wir ein Jahr zuvor selbst noch mit Freunden und der Familie in dem Hotel übernachtet hatten…

Das jetzige Gerichtsurteil fiel für thailändische Verhältnisse außergewöhnlich hoch aus: 152 Millionen Baht (ca. 3 Millionen Euro) zuzüglich Zinsen. Verurteilt wurden nun vom Berufungsgericht die Stadt Nakhon Ratsachima, die Baufirma, der Besitzer der Baufirma, der leitende Bauingenieur und der verantwortliche Architekt. Als Kläger war die Royal Plaza Hotel Company aufgetreten.

Wie der Anwalt der Hotel Company sagte, soll das Urteil ein Beispiel dafür sein, dass die Stadtverwaltungen keine mangelhaften Baupläne genehmigen dürften. „Die Sicherheit der Menschen muss an erster Stelle stehen.“

Aufgrund der Katastrophe hatte die thailändische Regierung seinerzeit eine Untersuchung aller Hochhäuser im Land angeordnet. Die dazu eingesetzte Kommission beschränkte sich jedoch lediglich auf Hotels und Einkaufszentren in Bangkok, weil sie völlig unterbesetzt war. Doch schon dabei kamen erhebliche Mängel zu Tage. Statt Schließungen der Gebäude gab man sich letzten Endes mit einem kleinen Hinweisschild zufrieden: „Betreten auf eigene Gefahr.“

ONLINEZEITUNG24 8. März 2009

Abgesehen von dem kleinen Missverständnis hinsichtlich des Urteils, wo zu Schadensausgleich statt Geldstrafen verurteilt wurde, eine im wesentlichen zutreffende Schilderung. Es würde ja auch keinen Sinn ergeben, die Stadt Nakhonratchasima als Körperschaft zu bestrafen. Haften muss die Stadt aber für die Schnitzer ihrer Bediensteten.

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Re: Einsturz des Royal Plaza Hotels: Bilder der Rettungsaktion

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Mi Sep 26, 2018 10:03 pm

Es gibt jetzt eine Medienproduktion mit Bildern der Rettungsaktion nach diesem schweren Unglück. https://www.thairath.co.th/content/1379428



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