Überschwemmungen im Isaan

In diesem Kapitel spielen die Menschen aus dem Isaan die Hauptrolle. Gehen Sie mit auf die Reise und erfahren Sie, wie das Leben im Isaan ist, welche alten Bräuche überliefert wurden und lesen Sie etwas darüber, was hier das Leben angenehm aber manchmal auch so beschwerlich macht. Vieles lesen Sie in den Artikeln zwischen den Zeilen und Sie werden auch einiges erfahren, worüber sonst nichts oder nur wenig berichtet wird.
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koratwerner (†2012)
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Überschwemmungen im Isaan

Ungelesener Beitragvon koratwerner (†2012) » Mo Mai 04, 2009 11:04 am

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Lang anhaltende Dürreperioden und Überschwemmungen sind im Isaan an der Tagesordnung. Mein Freund Lutz wohnt in der Nähe eines kleinen Flüsschens und kann ein Lied davon singen. Ein Lied? Mehrere Lieder hat er drauf und gestern hat er mir per Handy eins vorgesungen. Hochwasser! Darauf hat er sich in diesem Jahr eingestellt und Vorsorge getroffen.

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Gleich steht das Wasser noch höher und ich wage es nicht anzuhalten.

Wenn das Wasser kommt, wird in seinem kleinen Dorf die einzige befestigte Straße so hoch überschwemmt, dass sie mit seinem tief liegenden Wagen nicht mehr befahrbar ist. Also hat er das Wichtigste für den Fall des Falles gehortet. Zigaretten, Bier, Trinkwasser und Lebensmittel für etwa 2 Wochen.

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Jetzt ist das Ereignis eingetreten. Seit einer Woche sitzt er auf seiner kleinen Insel und kommt nicht mehr herunter. Ärgerlich, doch kein großes Problem. Denkt er. Vorgestern war das Bier alle und seine Mia konnte nicht kochen, weil die Gasflasche leer war. Alle? Kann doch nicht sein, denkt er und inspiziert seine Vorräte. Nicht nur die Vorräte sind bis auf klägliche Reste zusammengeschrumpft, auch zwei Gasflaschen sind verschwunden.

Dann stellt sich heraus, Oma und Opa brauchten Gas, hatten aber keines. Die Schwägerin mit ihrer sechsköpfigen Familie konnte auch nicht mehr kochen und da hat die liebe Tochter, Schwester und seine Frau den armen Not leidenden Leutchen etwas unter die Arme gegriffen. Das gehört sich doch so, oder?

Das Bier ist in den Besitz der männlichen Verwandtschaft übergegangen. Die armen Männer konnten doch wegen dem Hochwasser nicht aufs Feld und hockten in ihren überschwemmten Hütten. Ein kleiner alkoholischer Trost war da doch angebracht und das seine Mia der hungernden Verwandtschaft mit den gehorteten Lebensmitteln ausgeholfen hat, das war doch ein Akt reiner Nächstenliebe. Lutz ist sprachlos, durstig und hungrig.

Doch welch ein Trost, Zigaretten hat er aber noch.

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Unter dem Zelt ist die Straße eingebrochen. Vermutlich soll der nächste Regen nicht noch mehr Asphalt wegspülen.

Gestern war das Hochwasser soweit gesunken, dass ich mich mit meinem Pik-Up bis zu ihm durchkämpfen konnte. Zwar hastten die Straßen gelitten, doch ich kam durch. Trinkwasser, Bier, Cola, Körnerbrot und Margarine bescherten eitel Freude und Oma samt Opa langten sofort zu, als sie zum Hähnchenessen eingeladen wurden.

Was dem einen sein Leid, ist dem anderen sein Freud. Sagt man. Freude hatten diese Männer, die an einem Tünpel hockten, in dem sich das abfließende Wasser von den Feldern staute und da gab es Fische. Man brauchte sie nur aus dem Wasser holen und das geht so:

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Das abfließende Wasser wird über Netze geleitet.

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Der Fang besteht aus kleinen Fischen, ganz kleinen.

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Ist das Wasser etwas tiefer, wird mit Wurfnetzen gefischt. Das Netz sinkt ab und wird umgehend wieder angehoben. Die Maschenweite ist etwas größer, als bei den Stellnetzen. Die Fische auch, wenn welche drinn sind.

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Während das Netz wieder zusammengelegt wird, darf der nächste Fischer sein Glück versuchen.

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Hier schwimmen noch abertausende der kleinen Fische und bis das Wasser abgelaufen ist, kann noch einiges gefangen werden.

Lutz, der ja jetzt nichts anderes unternehmen kann, könnte ja auch so seinen Speisenplan erweitern. macht er aber nicht, die Fischlein sind ihm zu klein. Morgen rufe ich ihn wieder an und erkundige mich nach dem aktuellen Wasserstand. Wenn Lutz dann immer noch mit seinem Wagen vom Wasser eingeschlossen ist, fahre ich die nächste Versorgungstour und dann

:prost :prost :bäh
Es ist nicht schwer zu wissen wie man etwas macht,
aber es ist schwer es auch zu tun!

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