Dalaad

In diesem Kapitel spielen die Menschen aus dem Isaan die Hauptrolle. Gehen Sie mit auf die Reise und erfahren Sie, wie das Leben im Isaan ist, welche alten Bräuche überliefert wurden und lesen Sie etwas darüber, was hier das Leben angenehm aber manchmal auch so beschwerlich macht. Vieles lesen Sie in den Artikeln zwischen den Zeilen und Sie werden auch einiges erfahren, worüber sonst nichts oder nur wenig berichtet wird.
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koratwerner (†2012)
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Dalaad

Ungelesener Beitragvon koratwerner (†2012) » Di Aug 05, 2008 9:38 am

Auf einem Dalaad


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Dalaad, das ist ein oft verwendetes Wort der Frauen im Isaan. Ich weiß jetzt was das bedeutet, wenn meine Frau vom Dalaad spricht, sich auf ihr Motorrad schwingt und nach einer geraumen Zeit mit unzähligen Plastiktütchen voller Isaan - Leckereien wieder nachhause kommt. Sie war mal kurz auf einem der vielen Märkte, die man in jedem Ort des Isaan und natürlich auch im gesamten Stadtgebiet von Korat findet.

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Im Stadtzentrum sind sie meistens überdacht und sind jeden Tag vom frühen Morgen bis in den Abend hinein geöffnet. Am Rand der Stadt sind sie etwas kleiner und werden oft nur einmal oder zweimal in der Woche, meist am Nachmittag bis zum Einbruch der Dunkelheit abgehalten.

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Auf all diesen Märkten werden überwiegend Lebensmittel feil gehalten, Obst, Gemüse und Kräuter für die häusliche Küche. Natürlich auch Reis, Öl, Gewürze, Fisch, Muscheln, Fleisch und was man sonst noch so für den Magen benötigt. Sicher, es werden auch Blumen, Textilien, Schuhe und Haushaltsgegenstände, meistens aus Plastik, angeboten, doch das was einen Markt in Thailand von einem deutschen Wochenmarkt unübersehbar unterscheidet, das ist das außergewöhnlich vielseitig duftende Schlemmerparadies der fertigen Gerichte.

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Da Don meistens den ganzen Tag über arbeitet, bevorzugt sie eben für ihre Abendmahlzeit diese oft zwergenhaften Spezialitäten. Manchmal sind es nur vier, meistens jedoch sechs und mehr kleinste und größere Plastikbeutelchen, die sie mit nachhause bringt und eine nach der anderen aus einer großen Plastiktüte herausgreift und auf den Tisch packt.

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Dann wird das Geheimnis der einzelnen Tütchen gelüftet. Die größeren und festen Komponenten, wie der noch dampfende Reis, ein oder zwei kleine gegrillte Hühnerschenkel oder anders Fleisch, auf das sie gerade heute so Appetit hat, kommen auf einen Teller. Die frischen Kräuter, meistens Pfefferminze oder Thaibasilikum, werden gewaschen und daneben gelegt. Zum Schluss kommen die flüssigen Geheimnisse der Isaan - Küche in kleine Schälchen, die um den Teller gestellt werden. Ein Glas Naam Khäng, also Wasser mit Eis vervollständigt das Menü. Messer, Gabel und Löffel sind nicht von Nöten. Wir sind ja nicht im Restaurant, meint sie und wäscht sich ihre Hände.

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Manchmal setze ich mich zu ihr an den Tisch und probiere etwas von ihren Köstlichkeiten. Meistens jedoch nicht, zumindest nicht, wenn mir meine Nase signalisiert, dass ich mich besser ihrem Mahl nicht nähern sollte.

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Soweit zu Don, die keiner sich bietenden Gelegenheit aus dem Weg geht, über einen Dalaad zu schlendern, in die Töpfe zu gucken, zu prüfen, zu vergleichen, zu schnuppern und mit den freundlich lächelnden Verkäuferinnen ein par Worte zu wechseln.

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Hin und wieder bin ich auch dabei, wenn sie dieser amüsanten Tätigkeit des Einkaufs frönt. Dann ergötze ich mich genau so wie sie an dem bunten Treiben zwischen den Reihen der Stände. Ganz besonders haben es mir die großen dampfenden Töpfe angetan, in denen undefinierbar Nudeln, Fleischstückchen und Wurstscheiben meistens in einer Kräuterbrühe köcheln. Nichts geht hier ohne Gewürze. Mal vermeine ich, dass mir der Duft von Pfefferminze oder Basilikum in die Nase steigt, dann wieder dominiert ein süßlicher Koriandergeruch und etwas weiter liegt der Duft von dem sieben chinesischen Kräutergewürz in der Luft.

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Etwas weiter wird Fisch angeboten. Der lag vor einigen Stunden vielleicht auf Eis, doch abends ist das Eis fast geschmolzen und entsprechend können die bis dahin noch nicht an die Frau oder den Mann gebrachten Wassertiere ihren Eigengeruch entfalten. Mit Verlaub gesagt, er stinkt.
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Clevere Fischverkäufer haben deshalb neben ihren Ständen ein Holzkohlegrill stehen auf dem sie die größeren oder kleineren Stinker von beiden Seiten schön braun braten. Dann stinken sie nicht mehr, sondern verströmen einen herrlichen Duft, dem jeden Hungrigen das Wasser im Mund zusammen laufen lässt.

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Das Fleisch, dass wenige Meter weiter angeboten wird, ist nicht so eiweißhaltig wie Fisch und entfaltet deshalb auch nach längerer Lagerung weniger Geruch. Doch auf die unzähligen Fliegen muss dessen Odeur wie ein Magnet wirken. Deshalb hat das Verkaufspersonal nie Langeweile. Diese geplagten Leute wedeln ununterbrochen mit zusammengefalteten Zeitungen, die manchmal sogar an ein Stöckchen gebunden sind, weil die Arme doch so kurz sind, ununterbrochen über ihr Angebot, um so die hartnäckigen Fliegen zu vertreiben. Doch wenn ein Kunde etwas kaufen will, ist es vorübergehend mit jedem Wedeln vorbei und die Fliegen stürzen sich wie winzige Stukas auf die ungeschützten Fleischbrocken.

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Manchmal sieht man sogar hübsch gesäuberte Schweineköpfe. Vielfach werden sie gekocht und dienen dann als Opfergabe, um einen der vielen Geister eine Freude zu bereiten. Anschließend wandert dann der schöne Kopf in die Mägen der Familie.

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Bei den Obsthändlern sind kaum Fliegen, sie brauchen deshalb nicht zu wedeln. Zwar duften ihre Bananen, Apfelsinen, Mangos, Limonen, Linchi, Lamya, Papaya und Ananas und die vielen mir immer noch unbekannten Obstsorten auch, doch nur selten verirrt sich eine Fliege hierher. Deshalb haben die Verkäufer auch genügend Zeit um ihre grünen und roten Äpfel zu putzen und zu wienern, um sie dann zu hübschen Pyramiden aufzubauen. Wegen der bunten Pyramiden sind die Obststände unübersehbar und die wirklich bunten Tüpfelchen auf jedem Markt.

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Die Gemüsehändler haben es noch einfacher und bei geringem Kundenandrang noch langweiliger. Auch die thailändischen Fliegen lieben keine Rohkost. Nur hin und wieder wird die eine ruhige Zeit dazu genutzt, um mal hier oder da ein welkes Blättchen abzuknipsen oder die geschrumpften Vorräte aus bereit stehenden Kisten und Säcken wieder zu ergänzen.

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Die Verkäufer von frischen Kräutern und Blumen haben dagegen etwas mehr zu tun. Ihre gebündelte Ware welkt bei Thailands Temperaturen schnell dahin. Gerade Blumen und Kräuter müssen auch tatsächlich frisch aussehen, damit sie einen Käufer finden. Da hilft nur ein emsiges Begießen und davon wird reger Gebrauch gemacht.

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Alles was verkauft wird, aber auch wirklich alles, kommt in eine Plastiktüte. Ich bewundere immer welche Geschicklichkeit da die Verkäufer entwickeln. Besonders elegant machen das die Verkäufer, die Suppen oder diese undefinierbaren Saucen verkaufen. Kein Tröpfchen geht beim Einfüllen daneben. Dann wird das Tütchen etwas durch die Luft geschleudert, so dass sie oben etwas zugedreht ist. Darauf hin gibt es einen kleinen Knoten oder sie wird endgültig mit einem Gummiband verschlossen. Meistens ist dann sogar noch jede Menge Luft in der Tüte mit eingeschlossen, so dass, wenn die kleinen Plastikbehälter richtig in eine größeren Tüte transportiert werden, nichts von dem Inhalt an die Öffnung kommen und herauslaufen kann.

Don beherrscht die Technik auch und verwahrt ihre Reste genau so eingepackt. Also ist unser Kühlschrank immer gut gefüllt, jedoch leider mit zwei drittel voller Plastiktütenluft.

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Manchmal findet man auf den Märkten auch solche Spezialitäten wie gegrillte Heuschrecken, Käfer, Maden, Ameiseneier oder gar Skorpione. Sollen lecker schmecken, habe ich mir sagen lassen. Ich jedenfalls, erfreue mich doch lieber an chinesischen oder einheimischen Nudeln, die immer frisch gekocht auf großen Platten ausgebreitet sind und verführerisch auf Kundschaft warten.

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Firlefanz für Touristen findet man auf den Märkten in Korat sehr selten. Sie dienen überwiegend der Bevölkerung zum Einkauf des täglichen Bedarfs und geben daher einen guten Überblick, wie es in der einheimischen Küche aussieht. Die Märkte sind nicht nur ein Stück thailändischer Kultur, sondern bieten auch vielen kleinen Landwirten und Kleinstgewerbetreibenden die einzige Möglichkeit ihre Waren verkaufen zu können.

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Auch wenn ein Europäer nicht allzuviel mit dem umfangreichen Warenangebot anfangen kann, sehenswert ist ein Dalaad allemal.
Es ist nicht schwer zu wissen wie man etwas macht,
aber es ist schwer es auch zu tun!

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