Im Khao Yai 2006

Thailand verfügt über eine exotische Pflanzen- und Tierwelt, die in der jetzigen Zeit gefährdet ist, wie nie zu vor. König Bhumibol, obwohl er und seine Frau Sirikit sich sehr stark für die Belange der Landwirtschaft einsetzen, widmeten sich auch in den 50ziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dem Erhalt der bis dahin noch in ihrer Ursprünglichkeit erhaltenen Natur. Dieses Bestreben führte im Jahr 1962 zur Gründung des Khao Yai, dem ersten Nationalpark in Thailand. Bis heute sind es mehr als 130 Land- und Meeresgebiete mit einer Gesamtfläche von etwa 34.000 qkm, die unter strengem Naturschutz stehen.
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koratwerner (†2012)
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Im Khao Yai 2006

Ungelesener Beitragvon koratwerner (†2012) » Mo Jul 28, 2008 12:24 pm

Der Khao Yai liegt mit seinen Regenwäldern von Bangkok kommend in östlicher Richtung und ist über die südlich und nördlich gelegenen Fernstraßen in die östlichen oder nordöstlichen Provinzen des Landes, gut erreichbar. Seit dem 14. Juli 2005 steht dieser große Waldkomplex als Weltkultur- und Naturerbe der Menschheit auf der Liste der UNESCO.

Um uns diesen Nationalpark zu besuchen, fahren wir von Korat aus die Straße Nr. 2 aus etwa 80 km in Richtung Bangkok, bis in zu dem gut ausgeschilderten Abzweig der Nationalstraße 2090, die nach 20 km zum nördlichen Eingang des Khao Yai führt. In unmittelbarer Nähe des Eingangs warten einige einfache Restaurants und mehrere kleine Hotels auf Gäste, die hier pausieren oder übernachten wollen. Da wir erst spät aus Korat abgefahren sind, mieten wir uns für 700 Baht einen kleinen Bungalow, damit wir den nächsten Tag genügend Zeit haben, den Park zu besichtigen.

Der Besuch des Parks ist gebührenpflichtig. An der Kasse sind für jeden Farang 200, für meine thailändische Begleitung dagegen nur 20 und für den Wagen 50 Baht fällig. Ich habe Glück. Als mich die nette Kassiererin nach meiner ID-Kart fragt, zeige ich ihr lächelnd meinen Thai-Führerschein und oh staune und Wunder, da ich offensichtlich in Thailand wohne und daher kein Tourist bin, brauche ich auch nur 20 Baht Eintritt zu bezahlen. Das war 2006, bis 2008 haben sich die Eintrittspreise verdoppelt.

Warum ein Farang den zehnfachen Eintrittspreis für den Besuch des Naturparks bezahlt, das ist mir vordergründig schleierhaft, oder bekommen die Farang vielleicht mehr Tiere, ältere Bäume und schönere Orchideen zu Gesicht, als die Thais? Tatsächlich wird es aber so sein, dass man auch den weniger bemittelten Thais den Zugang zum Park ermöglichen will, wohingegen ein Farang über ein weitaus höheres Einkommen verfügt und er deshalb halt mehr bezahlen kann.

Der Khao Yai, dieser schönste, älteste und vielleicht sogar interessanteste Nationalpark Thailands befindet sich auf dem Gebiet der Provinzen Saraburi im Westen, Nakhon Nayok und Prachin Buri, südlich gelegen und Nakhon Ratchasima im Nordosten. Jährlich zählt man an die 800.000 Menschen, die diesen Park besuchen, darunter sehr viele Besucher aus Bangkok, die zum Wochenende oder auch nur für einen Tag der stickigen Luft dieser Millionenstadt entrinnen und sich hier in der frischen und kühleren Luft der Berge etwas erholen wollen.

Für Naturliebhaber ist dieser große Naturpark ein Eldorado, denn hier hat sich die umfangreichste botanische und zoologische Artenvielfalt Thailands erhalten. Zwar wird der normale Besucher keinen der wenigen durch den Dschungel schleichenden Tiger zu Gesicht bekommen, doch mit etwas Glück sieht er vielleicht eine kleine Gruppe der etwa 250 frei lebenden Elefanten.

Tagsüber halten sich die Tiere, außer einigen Affen, die gerne am Straßenrand stehen, für den Besucher nicht sichtbar, im Dschungel auf. In der Nacht dagegen, kann man bei einer von Wildhütern geführten Safari scheue Halbaffen, Wildschweine, Stachelschweine, Hirsche, Elefanten und schleichende Nachträuber sehen.

Auch kann man im Khao Yai auf etwa 500 km Wanderwege diesen schönen Naturpark erkunden und bewundern. Man entdeckt Wasserfälle, deren Wasser sich in tiefe Schluchten stürzen, erklimmt die größte Erhebung in diesem Naturpark, den 1.351 m hohen Khao Khieo, den man mit dem Pkw über eine Stichstraße ereichen kann und genießt bei gutem Wetter eine Fernsicht von etwa 100 km über die hügelige Bergwelt.

Botaniker finden im Khao Yai eine große Anzahl von Orchideen, die hier beheimatet sind. Entomologen freuen sich über das breite Spektrum der hier lebenden Insekten, von denen allein von den Tagfaltern mehr als 450 Arten katalogisiert sind und der Ornithologe, der mit etwas Glück und Geduld einen Nashornvogel beobachten und fotografieren kann, kommt im Khao Yai auch auf seine Kosten.

Der Tagestourist, der mit dem Wagen den Park besucht, wird von all dem nicht viel zu sehen bekommen. Doch auch für ihn lohnt sich der besuch des Khao Yai. Schon alleine der Blick von einem der höher gelegenen Aussichtspunkte auf die unter ihm liegenden Regenwälder und die von der Sonne bestrahlten oder in Wolken gehüllten Bergkuppen, ist ein beeindruckendes Erlebnis. Wasserfälle können angefahren werden, man sieht Hochmoore, Teiche, Wiesen und natürlich immer wieder die riesigen unberührten Wälder.

Nach etwa 10 km, vom Nordeingan entfernt, erreichen wir an einer Steigung den ersten Aussichtspunkt und können einen Blick auf den unter uns liegenden Urwald und die weiter entfernt aus dem Dunst ragenden Bergkuppen werfen. Weitere 5 km aufwärts gelangen wir zu den Gebäuden der Parkverwaltung. Hier kann man sich mit Informationsmaterial ausrüsten, ein kleines Museum ansehen, eine Toilette aufsuchen und den ersten kleinen Fußmarsch in den Urwald wagen.

Direkt hinter der Information führt der Weg über eine Hängebrücke zu einem kleinen Wasserfall und zu einem Teich, in dem wir auf einem umgestürzten Baum, der im Wasser liegt, drei Schildkröten in der Sonne liegen sehen. Auf dem Rückweg werden wir nass, ein Schauer kommt herunter und unsere Regenkleidung ist in Korat geblieben.

Wer sich länger in diesem Nationalpark aufhalten will, findet gut eingerichtete Campingplätze mit Wasch- und Toiletteneinrichtungen, und kann sich sogar an einigen Stellen verpflegen lassen. An exponierten Stellen halten sich Wildhüter des Parks auf, die Führungen unternehmen oder auch nur die Fragen der Besucher beantworten. Zwar gibt es im Khao Yai an die 500 km gut gezeichnete Wanderwege, doch für den Autoverkehr gibt es nur eine einzige Durchgangsstraße und einige Stichstraßen, die das riesige Gebiet über mehrere Klimazonen hinweg über steil ansteigende oder abschüssige Abschnitte in Nord- Südrichtung durchzieht. Da sich am Khao Yai die von Südwesten heranziehenden Wolken fangen und dort zum größten Teil ausregnen, ist der südliche Teil des Naturparks bedeutend wasserreicher, als der nördliche Teil. Nur wenige der vielen Flüsse des Khao Yai fließen deshalb in die nördliche Richtung, wohingegen große Mengen Wasser in südlicher Richtung abfließen und auf ihrem Weg zu Tal oft über Wasserfälle in die Tiefe stürzen.

Wir fahren weiter und erreichen über eine Stichstraße den Heo Suwat Wasserfall. Auf einem Parkplatz, an dessen Rand für hungrige und durstige Besucher ein rustikales Restaurant steht, stellen wir den Wagen ab und laufen etwa 100 m weit, bis zu einer Aussichtsplattform. Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick auf die herabstützenden Wassermassen.

Zurück und weiter über die Stichstraße 3182 fahren wir jetzt in Serpentinen auf die höchste Erhebung im Khao Yai, den 1351 m hohen Khao Khieo. Herrschten schon in den tiefer liegenden Bergen angenehme Temperaturen, so ist es hier oben beinahe kühl, gefühlsmäßig bestimmt unter 20 Grad Celsius. Einige Thais, die neben uns stehen und die schöne Bergwelt bewundern, frieren, doch ich fühle mich sauwohl. Leider kommen wir nicht bis zum Gipfel des Berges, denn der ist von der Royal Thai Airforce in Beschlag genommen. Hier steht eine von den Amerikanern während des Vietnamkrieges gebaute Radaranlage, die weiterhin in betrieb und deshalb der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

Auf der Rückfahrt halten wir etwa hundert m tiefer an einem Rastplatz, stolpern etwa 500 m durch den Urwald und kommen zu einem felsigen Aussichtspunkt, von dem aus wir wieder einen freien Blick auf die urtümliche Berglandschaft haben. Immerhin sind wir wenigstens einmal auf einen unbefestigten Weg durch den Busch gestromert und ehrlich gesagt, jeden Augenblick habe ich gedacht irgendwo eine Schlange aufzustöbern, doch meine Bedenken sind grundlos.

Die Fahrt geht weiter. Unterwegs steht irgendwo einsam und verlassen ein Affe am Straßenrand. Als ich anhalte, um ihn zu fotografieren, schaut er interessant zu. Sicher interessiert er sich nicht für meine Kamera, sondern wartet auf etwas Leckeres für seinen Magen. Man soll in den Naturparks zwar keine der wild lebenden Tiere füttern, doch ich habe Mitleid und er bekommt für sein Modellstehen meine letzte Banane.

Wir rollen jetzt über die gut ausgebaute Nationalstraße 2090 durch den südlichen Teil des Khao Yai in Richtung Prachin Buri. Über viele Kilometer sehen wir links und rechts nur das immergrüne Unterholz, aus dem riesige, beinahe astlose Bäume hervorragen, die nur an der Spitze eine grüne Krone tragen. Und dann sind da noch an vielen Stellen die großen Kotballen der Elefanten. Wenn wir auch keinen dieser scheuen Riesen zu Gesicht bekommen haben, immerhin, wir haben einige Ansichtskarten mit ihren Abbildungen gekauft und jetzt wissen wir auch definitiv, dass sie sich hier wirklich herumtreiben. Kurz vor dem Ende des Parks entern wir wieder einen Rastplatz. Von hier aus laufen wir so an die 2 km über einen gut ausgebauten Weg bis zum Heo Narok Wasserfall.

Dieser Wasserfall ist mit etwa 70 m Höhe der größte in diesem Park. Den ersten Teil erreicht man über einen gut gesicherten Abstieg. Wenn man den Wasserfall jedoch in seiner gesamten Größe sehen will, muss man dazu einige hundert Meter durch den Urwald laufen. Scheinbar ist das nicht ungefährlich, denn man darf diesen Weg nur mit einem Führer gehen, der unentwegt darauf achtet, dass niemand zurück bleibt und der mit der flachen Seite seiner Machete laufend auf herumliegende Felsbrocken und an Baumstämme klopft, um damit eventuell bissfreudige Schlangen zu verscheuchen.

Besonders interessant ist, dass nahe dem Abgrund an der Wasserfallseite etwa 70 cm dicke Betonpfähle in den Boden eingelassen sind. Die sind zum Schutz der Elefanten angebracht worden, denn in der Vergangenheit sind einzelne Tiere, aber auch eine ganze Herde in die Tiefe gestürzt und umgekommen, weil sie an das Wasser des Flusses kommen wollten.

Die Mühe durch den Wald zu klettern lohnt sich. Am Aussichtspunkt angekommen hat man einen wunderbaren Blich auf den Heo Narok, einem Highlight des Khao Yai. Leider führt er während der Trockenzeit kaum Wasser und während der feuchten Jahreszeit ist die Luft über den Wasserfall immer voller Wasserdunst, so dass man selten eine klare Aufnahme schießen kann. Der Anblick ist wirklich grandios, zumal überall im Land jede Stelle, an der ein Wässerchen mehr als 50 cm herabrauscht, als Wasserfall bezeichnet wird.

Mangels geeigneter Kleidung halten wir uns bei unserem Besuch fast nur auf den befestigten Straßen auf und halten an einigen Aussichtspunkten. Trotzdem wir nur wenig gesehen haben, ist der Besuch mehr als beeindruckend und für mich sicherlich der Anreiz nach der Regenzeit einmal für mehrere Tage hier zu verweilen.
Es ist nicht schwer zu wissen wie man etwas macht,
aber es ist schwer es auch zu tun!

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