Weihnachtsstimmung

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koratwerner (†2012)
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Weihnachtsstimmung

Ungelesener Beitragvon koratwerner (†2012) » Sa Aug 09, 2008 10:53 am

Wie jedes Jahr im November, habe ich diese dumme Angewohnheit aus Deutschland auch nach drei Jahren Thailand beibehalten, ich bin wieder mal erkältet. Da Don auch sonntags ihren Shop in der Stadtmitte Korats in der Nähe des Denkmals der Nationalheldin Thao Suranaree am Straßenrand aufbaut, bin ich jetzt alleine zuhause, huste, putze mir die Nase und niese mal hin und wieder, damit mir die schweren Augenlieder nicht zuklappen.

In einer Woche ist der erste Advent. Zuhause sind jetzt sicher schon die Weihnachtsmärkte aufgebaut und es duftet da wieder nach Glühwein, Lebkuchen und Aachener Printen. Oder es dominiert der Geruch des heißen Öls aus den Reibekuchenpfannen und den qualmenden Fritösen. Es ist auch lange her, als ich mir zum letzten male die kalten Hände an einem heißen Glühweinglas gewärmt habe, verdammt lange.

Im Auslandsfernsehen der DW wurde vor einigen Tagen über den plötzlichen Wintereinbruch in Deutschland berichtet. Hier im Isan, der ja immerhin an die 400 m hoch liegt, ist jetzt auch schon der Winter eingebrochen. Auf jeden Fall froren die Thais bei 23 Grad und suchten krampfhaft nach Handschuhen, Wollmützen und warmer Kleidung. Glühwein kennt man hier nicht und auch keine Weihnachtsmärkte. Diesen Brauch werden sie aber bald auch für sich übernehmen, denn alles was gut ist, wird nachgeahmt. Adidas und Puma aus Deutschland sind schon hier. Ich glaub aber nicht, dass die Geschäftsleitung in Deutschland davon weiß, dass hier am Rande der Zivilisation mit ihrem Namen Geschäfte gemacht werden.

Weihnachten wird aber hier auch schon gefeiert. Genau wie in Deutschland schon Wochen vor dem Fest die Kaufhäuser in der Weihnachtsdekoration erstrahlen, sind auch hier, na ja, mit etwas weniger Aufwand, die Weihnachtsbäume aus gelben, weißen, roten, blauen und sogar grünen Plastik, aufgestellt und mit farbigen Weihnachtskugeln geschmückt. Alle Thailänder mögen es halt bunt. Am liebsten ganz bunt, noch lieber, wie die Kinder.

Der Nikolaus kommt auch hierher. Es weiß zwar niemand, wer das ist, was er bedeutet und vor allen Dingen, was er bei uns daheim für die Kinder bedeutet. Mei pen rai, das macht aber doch nichts. Wichtig und schön ist es doch, dass die jungen und hübschen Verkäuferinnen in allen größeren Geschäften so zu Beginn des Dezembers ganz stolz eine rote Zipfelmütze mit weißem Besatz tragen dürfen. Das ist so schön und macht den Trägerinnen so viel Spass, dass die schönen Nikolausmützen auch noch Silvester, Neujahr und manchmal sogar noch ende Januar, die Köpfe der jungen Damen vor dummen Gedanken und dem Eindringen von kleinen bösen Geistern schützen.

Doch zurück zum Weihnachtsmarkt. Wenn man so will gibt es auch in Thailand Weihnachtsmärkte. Zumindest was das Warenangebot betrifft, gibt es sie. Und weil mit Einbruch der Dunkelheit alle Stände mit großen Lampen und bunten Lichterketten angestrahlt wird, ist es so schön, dass es sie das ganze Jahr über gibt.

Da werden auf den Märkten Kerzen, Lampen, bunte Tücher, Turnschuhe, Sandalen, Mützen, Hüte, geflochtene Körbe, Feuerzeuge, Modeschmuck, Jeans, und Spielsachen angeboten. Kurzum, alles was den kleinen und oft auch den erwachsenen Kindern gefallen könnte.

Doch dominierend ist auf jedem Markt das Angebot an Essbarem. Thais haben scheinbar einen ganz winzig kleinen Verdauungstrakt und dementsprechend nach jeder Mahlzeit ganz schnell wieder Hunger. Hunger ist für Thais aber eine schlimme Sache und führt umgehend zu Veränderung ihres Persönlichkeitsprofils. Hungrige Thais haben schlechte Laune, sind leicht reizbar und vor allen Dingen versteinern sich ihre Gesichtszüge und sie können nicht mehr lächeln. Da das Lächeln bei allen Gelegenheiten die oberste Tugend eines jeden Thais ist, besteht das ungeschriebene Gesetz, wahrscheinlich weil es so selbstverständlich ist, dass die Thais spätestens alle zwei bis drei Stunden neue Nahrung zu sich nehmen müssen.

Da in der Regel zuhause lediglich Reis mit Chili, viel rohes Gemüse in Blätterform und nur wenig Fleisch auf die Sitzmatte oder den Tisch kommt, Ist jeder Markt in Thailand ein El Dorado für Gourmets, ein Schlemmerparadies. Da jeder Thai ein Gourmet ist, wird jeder der vielen Märkte entsprechend frequentiert.

Da sieht man dann junge Mütter, denen an rechten Arm einige Plastiktüten und am linken Arm ein Kind hängt. Letzteres heult oft in unsäglicher Qual, weil es in der linken Hand einen Plastikbecher mit Eiskrem hält, aber mit der rechten Hand nicht das Plastiklöffelchen greifen kann, mit dem es sich das Eis in den Mund schieben könnte, weil die Mama eben das rechte Händchen fest umklammert hat, damit es nicht im Gedränge der Menschen abhanden kommen kann. Mit ihrer rechten Hand kann die Mama ihre heulende Göre auch nicht füttern, denn in der hält sie Spießchen mit gebratenen Fleischkügelchen und muss zudem höllisch aufpassen, dass die vom Spießchen tropfende Sauce nicht auf ihre weiße Bluse tropft und sie verunreinigt.

Fast jeder Marktbesucher hält etwas Essbares in seinen Händen. Schalen mit Garnelen in Knoblauch- oder Chilisauce, Spiesschen mit stinkendem, getrocknetem Fisch, weil da nichts abtropft, dampfenden Suppen, deren Duft den Kennern gutes verspricht, den Fremden jedoch an verfaulendes Fleisch denken lässt, Tüten mit Gebäck, aus dem gelbe Vanillesauce oder rote Marmelade heraus quillt und immer wieder fettige stinkende Eier am Spieß, Fisch, Klein gehackte Brathühnchen , Bratwürstchen, Spieße mit Geflügel und für die ganz besonderen Gourmets geröstete Raupen, Maden, Heuschrecken, Ameiseneier, Käfer und manchmal sogar Würmer.

Kein noch so gut geführtes Restaurant in Thailand mit einer noch so großen Speisekarte kann mit so vielen unterschiedlichen Nationalgerichten aufwarten, wie es selbst ein kleiner Markt auf der grünen Wiese oder einem etwas größeren Parkplatz kann.

Thailändische Rezepte oder gar original thailändische Rezepte, finde ich oft im Internet. Zum selbst nachkochen, schreiben dann einige Autoren und haben außer der Rezeptur dann auch noch so ein schönes buntes Bild ins Netz gesetzt auf dem der auf dem dekorierten Teller liegende gebratene Fisch mit dem an ihm hängen gebliebenem Kopf genau so freundlich lächelt, wie ein thaichinesischer Tuk-Tuk Fahrer, den man dabei erwischt hat, dass er nicht den direkten Weg zum angegebenen Ziel genommen hat, sondern arglistig Umwege gefahren ist.

Also, die thailändischen Rezept aus dem Internet und vor allen Dingen die aus den Rezeptbüchern der Sterneköche sind keinesfalls ein Spiegel der echten thailändischen Küche, und recht nicht der volksnahen Brathähnchen-, Fischbrat- und anderer Grillstationen, sowie der fahrbaren Suppenküchen und Wurststationen. Wo es nicht nach Knoblauch, Fischsauce und leicht angebranntem Hühnchen riecht, wo man mit Chili gewürzte Gerichte essen kann, ohne dass die Kauwerkzeuge von der gnadenlosen Schärfe schockartig gelähmt sind und wo man sogar ein Steak mit dem Messer schneiden kann, da hat man es nicht mit der thailändischen Küche zu tun, sondern mit dem freundlichen und höflichen Bemühen, dem Gast überhaupt für ihn etwas genießbares vorsetzten zu können. Wieder in seiner Heimat angekommen, berichtet der von der vorzüglichen thailändischen Küche, die alle Komponenten Südostasiens in sich vereinigt und die beste Küche der Welt ist, weil ja nur die frischesten Zutaten verwendet werden.

Drei ganze Jahre bin ich jetzt in Thailand und kann über so einen Quatsch nur noch müde lächeln. Einmal monatlich fahre ich zum Siam-Makro, einer der Metro ähnlichen Lebensmittelkette für Großverbraucher wie Restaurants, Hotels und Wiederverkäufer. Und dann sehe ich sie, die Köche, die die hoch gelobte Thaiküche zelebrieren. Und wo sehe ich sie? Natürlich auch beim Frischfleisch und Gemüse, doch wenn sie dann vor oder hinter mir an der Kasse stehen, dann ist ihr Einkaufswagen voll gepackt mit Konserven, Tiefkühlkost und Fertiggerichten.

Entschuldigung, hab ich doch ganz vergessen, dass ja auch fürs Personal gekocht wird, von wegen zwei Stunden und dann schon wieder Hunger. Also sind all die schönen Konserven fürs Personal und keinesfalls für die Gäste.

Hunger hab ich auch jetzt, denn immerhin habe ich das letzte schon vor vier Stunden gegessen. Schwarzbrot von einem deutschen Bäcker, Rohen Schinken aus einer aus Deutschland dirigierten Salamifabrik, Butter aus Australien und richtig schönem Rosenkuchen aus eigener Fabrikation. Nur das Frühstücksei stammte von einem thailändischen Huhn. Jetzt gleich mache ich mir Bratkartoffeln und dazu gibt es eine Scheibe Eisbeinsülze und all das, weil die thailändische Küche so lecker ist.
Es ist nicht schwer zu wissen wie man etwas macht,
aber es ist schwer es auch zu tun!

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