Birma hätte viel zu bieten

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koratwerner (†2012)
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Birma hätte viel zu bieten

Ungelesener Beitragvon koratwerner (†2012) » Fr Jan 28, 2011 4:14 pm

Willkommen in der Diktatur
von Andrea Beu

2010 kamen viel mehr Touristen nach Birma als im Jahr zuvor. Es hat auch viel zu bieten: prächtige Pagoden, unzählige Buddhastatuen, grandiose Natur. Allerdings herrscht immer noch Militärdiktatur. Erlebt das Land dennoch einen Tourismusboom? Kann es dem Reiseriesen Thailand Urlauber abjagen?

Für den Tourismus in Birma (auch Myanmar) war 2010 ein goldenes Jahr. Eine geschätzte Anzahl von 300.000 Touristen besuchten das südostasiatische Land - das ist eine Steigerung von 30 Prozent gegenüber 2009 und übersteigt sogar das bisherige Spitzenjahr 2006, so die Regierung des Landes.

Angehörige des Tourismus-Sektors hoffen, dass die jüngsten politischen Entwicklungen es leichter machen werden, mehr ausländische Touristen ins Land zu holen. So wurde die birmanische Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi im November 2010 nach mehrjährigem Hausarrest freigelassen. Allerdings hat das Militär bei der letzten Wahl - ebenfalls im November 2010 - dafür gesorgt, dass es nach fast fünf Jahrzehnten an der Macht faktisch weiter die Zügel in der Hand behält.

Das touristische Potenzial des südostasiatischen Landes wird derzeit bei Weitem nicht ausgeschöpft. Seine großen Natur- und Kulturschätze könnten es zu einem Top-Reiseziel in der Region machen. Aber Birma steht immerhin im touristischen Konkurrenzkampf vor allem mit dem Nachbarland Thailand, welches im Jahr 2010 die beeindruckende Zahl von 15 Millionen Besuchern hatte. Malaysia konnte sogar 17 Millionen begrüßen, und sogar das kleine Laos wurde von einer Million Touristen bereist. Die 300.000 in Birma sind da also vergleichsweise wenig.

Birmas Reisebranche hatte in den vergangenen Jahren allerdings auch einige Rückschläge zu verdauen: der SARS-Ausbruch 2003, der Tsunami 2004, der hohe Ölpreis 2008 und die Finanzkrise 2009 - das waren Ereignisse, die allerdings auch andere Länder der Region hart trafen. Die brutale Niederschlagung buddhistischer Mönche im September 2007 und die Verwüstungen durch Zyklon "Nargis" im Mai 2008, durch den etwa 138.000 Menschen umkamen, waren jedoch landesbezogene Ereignisse, die Birma als Reiseland nicht eben attraktiver machten.

Auch die seit Jahrzehnten bestehende Militärdiktatur schreckt Urlauber eher ab, auch wenn diese sich nicht für Politik interessieren. Luzi Matzig, Direktor der in Bangkok ansässigen "Asian Trails company", sieht das allerdings nicht so dramatisch: "Ich glaube nicht, dass Tourismus viel mit Politik zu tun hat. Wenn ein Tourist Mandalay oder Bagan besuchen will, ist es gut, zu erfahren, dass Suu Kyi frei ist, aber wird es seine Entscheidung beeinflussen, nach Birma zu fahren? Ich glaube nicht." Diese optimistische Sicht der Dinge liegt allerdings sicher in seiner beruflichen Tätigkeit begründet.

Ein Teil des Zuwachses an Touristen im vergangenen Jahr liegt gewiss an den im Mai 2010 gelockerten Visa-Bestimmungen. Diese wurden allerdings laut Auswärtigem Amt in Berlin "mit Wirkung vom 1. September 2010 bis auf Weiteres wieder ausgesetzt". Es rät zudem wegen bewaffneter Konflikte von Reisen in die Grenzregionen zu Indien und Thailand ab. Auch auf die mangelhafte Sicherheit des zivilen Flugverkehrs wird hingewiesen. Zudem könnten "politisch motivierte Gewalttaten nicht ausgeschlossen werden". Also keine Nummer sicher und nichts für vorsichtige Reisende.

Birma hat mit seiner mehr als tausendjährigen Geschichte und Kultur, mit seinen unzähligen Buddha-Statuen und prächtigen Pagoden und seiner freundlichen Bevölkerung für Urlauber sicher sehr viel zu bieten. Ehe sich aber im Land politisch nichts grundsätzlich ändert, wird der große Tourismusboom wohl noch auf sich warten lassen.
Es ist nicht schwer zu wissen wie man etwas macht,
aber es ist schwer es auch zu tun!

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