Aus Myanmar zu berichten ist gefährlich

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KoratCat
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Aus Myanmar zu berichten ist gefährlich

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Mi Mai 14, 2008 11:45 am

Aus Myanmar zu berichten ist gefährlich

„Ich kann nicht sprechen, ich glaube, ich bin in Gefahr“, flüsterte ein Reporter in Burma / Myanmar in das Telefon, dann hörte man einen Klick. Das war sein letztes Lebenszeichen. Telefone werden abgehört und nur wenige ausländische Journalisten halten sich, fast immer im Geheimen, in Myanmar / Burma / Birma auf. Das macht es so schwer, die Wahrheit über die Auswirkungen des Sturmes zu recherchieren.
Katastrophenberichterstattung, insbesondere in Entwicklungsländern, ist immer mit Gefahren verbunden. Ausgelöst durch Knappheit an Essen, Trinkwasser, Ausbruch von Seuchen und Überfälle. Aber die Herausforderungen in Myanmar bzw. Birma sind noch weitaus höher. Denn das brutale und Regime will jede Art der unkontrollierten Information über das Land mit allen Mitteln verhindern.

„Die Regierung ist paranoid, leidet an Verfolgungswahn und sie glauben, dass der Sturm ihre Glaubwürdigkeit untergräbt.“ Erklärt Aung Zaw, Herausgeber von Irrawaddy, einem Magazin, das in Thailand erscheint und eine Webseite, die von Menschen aus Birma im Exil herausgegeben wird.

Nach UN-Angaben wurden durch den Zyklon zwischen 62.000 und 100.000 Menschen getötet und über 2 Millionen leben ohne Lebensmittel, Trinkwasser und Seuchenvorsorge. Ausländische Journalisten, wie auch die ausländischen Helfer, dürfen das Land nicht betreten. Lokale Journalisten wurden eingeschüchtert und ihnen droht sofortige Verhaftung, falls sie einen Bericht veröffentlichen, der die dünnhäutigen Generäle verärgert.

Während ein Reporter aus Birma / Myanmar in Thailand anrief, hörte man ein lautes Tick- tick- tick-Geräsuch im Telefon, was oft darauf hindeutet, dass das Gespräch mitgehört wird. An diesem Tag hatte der Journalist berichtet, dass die Junta nicht erfreut war über die Details der letzten Story. Er drückte seine Sorge aus, verhaftet zu werden, bis die Leitung plötzlich unterbrochen wurde. Seit diesem Zeitpunkt wird er vermisst.

Journalisten, die in der Botschaft von Burma in Thailand um ein Visa baten, wurden abgewiesen mit dem Hinweis, sie würden auf einer schwarzen Liste stehen, weil sie früher mit einem Touristenvisum eingereist wären. Die Bilder von Soldaten, die auf Mönche schossen, verärgerte die Junta und ließ sie die Behinderungen für Journalisten und Reporter weiter erhöhen.

Aber ins Land zu kommen ist nur die erste Hürde. So gibt es zum Beispiel Razzien in Hotels, in denen nach Ausländern gefahndet wird, die sich der Beobachtung entzogen hatten. Mit Schwerpunkt in den Hotels außerhalb der Zentren, weil die innerhalb der großen Städte sowieso unter ständiger Beobachtung stehen.

Im letzten Jahr hielt Burma / Myanmar die zweifelhafte Spitzenrolle in der Welt bei der Unterdrückung von freier Presse und Medien. Das Land liegt mit deutlichem Abstand noch vor Eritrea, Nord-Korea, Turkmenistan, Iran und Kuba. Das zufällige Foto der Ermordung des Videojournalisten Nagai durch den Schuss eines Soldaten in der Art einer Exekution ging um die Welt.

Die Bilder und Berichte vom Sturm wurden von mutigen Inlandsjournalisten gemacht, die unter Einsatz ihres Lebens Bilder und Texte ins Ausland schmuggelten, ohne irgendwelche Bezahlungen, nur mit dem Wunsch, die Welt über die Bedingungen im Land zu informieren.

„Wir sehen zu, wie der Nachbar seine Familie verprügelt und vergewaltigt und unternehmen nichts“. So empfinden Thailänder in der demokratischen Aktivisten Szene. Derweil verbreitet sich in Birma / Myanmar eine deprimierte Ruhe. Die Kommentare von Exilbirmesen, dass der Sturm für einen Genozid durch die Militärs umfunktioniert wurde, bekommt zunehmend Gehalt. Es ist zu erwarten, dass der Flüchtlingsdruck nach Thailand in den nächsten Monaten dramatisch zunehmen wird. Aber ohne Reporter und Journalisten vor Ort bleibt Burma / Myanmar / Birma ein schwarzer Kasten, in dem die Militärs nach Gutdünken unter dem Schutz der chinesischen Einsprüche im UN- Sicherheitsrat machen können, was ihnen beliebt.

FreeThai

Schoenes Thailand 14. Mai 2008

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