Juweliere fordern Boykott von „Blutrubinen"

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Juweliere fordern Boykott von „Blutrubinen"

Ungelesener Beitragvon newsclip » Sa Nov 17, 2007 8:26 am

Edelsteinhandel

Juweliere fordern Boykott von „Blutrubinen"

Rubine sind seltener und teurer als Diamanten. Etwa 90 Prozent des weltweiten Angebots stammen aus dem seit Jahrzehnten von der Militärjunta regierten Birma. Doch immer mehr Juweliere vor allem aus den USA wollen das grausame Regime nicht mehr durch diesen Handel unterstützen.

Rubine gelten als „Könige der Edelsteine“. Wer einen Ring oder eine Halskette mit einem der roten Steine kauft, hat damit allerdings mit größter Wahrscheinlichkeit einen „Blutrubin“ erstanden: Etwa 90 Prozent des weltweiten Angebots stammen aus

dem seit Jahrzehnten von einer Militärjunta regierten Birma. Im September hatte die Armee friedliche Proteste von Mönchen blutig niedergeschlagen. Menschenrechtsorganisationen, aber auch Juweliere setzen sich daher für einen Boykott von Rubinen aus dem südostasiatischen Land ein.

„Der Handel mit birmanischen Edelsteinen stützt die Militärmachthaber, während sie zur gleichen Zeit schwere Menschenrechtsverstöße begehen, die Menschen weiter in die Armut treiben, und Rufe nach politischer Versöhnung ignorieren“, sagt Arvind Ganesan, Direktor des Programms Wirtschaft und Menschenrechte der Organisation Human Rights Watch in Washington. Das Staatsunternehmen Myanmar Gems Enterprise hat im Geschäftsjahr 2006/07 Edel- und Halbedelsteine – neben Rubinen vor allem Jade – im Wert von knapp 300 Millionen Dollar (rund 205 Millionen Euro) verkauft.

Die Branche ist sich des Problems bewusst. Tiffany's kauft nach eigenen Angaben bereits seit 2003 keine Rubine mehr aus Birma, in diesem Jahr schlossen sich Cartier und Bulgari dem Boykott an. Der amerikanische Branchenverband Jewellers of America erhöhte den Druck im vergangenen Monat. Die Interessenvertretung von 11.000 Juweliergeschäften in den USA hat den Kongress in einem offenen Brief zu einer Verschärfung der Sanktionen gegen Birma aufgefordert. Ein Gesetz aus dem Jahr 2003 solle dahin gehend geändert werden, dass auch die Einfuhr in Birma abgebauter Steine verboten wird. Bisher gelangen viele Rubine ungehindert auf den Markt, weil sie zum allergrößten Teil in Thailand geschnitten und poliert werden und diese damit als Herkunftsland gelten.

Juwelliere setzten auf „konfliktfreie“ Steine

Auch die deutschen Fachgeschäfte setzen auf „konfliktfreie“ Steine, nachgewiesen in Zertifikaten. „Das Interesse der Branche an einem funktionierenden Kontrollsystem zur Herkunft der Steine ist sehr groß“, sagt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte. „Wir handeln mit Emotionen, da können wir uns keinen Imageschaden leisten.“ Auch der internationale Dachverband für Farbedelsteine, ICA, „ermahnt“ seine Mitglieder, keine Steine von birmanischen Regierungs- oder Marketingorganisationen zu kaufen. Gleichzeitig warnt der ICA aber vor „übereilten Entscheidungen“ und rät dazu, mögliche negative Auswirkungen und Kollateralschäden zu bedenken. Noch weiter geht David Federman, Chefredakteur der Fachzeitschrift „Colored Stone“: Von den Schmugglern zu kaufen, die unter Einsatz ihrer Gesundheit und ihres Lebens Rubine ins Nachbarland Thailand bringen, sei ein deutliches Zeichen der Unterstützung für eine funktionierende Form des wirtschaftlichen Widerstands in Birma.

Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), hält Sanktionen dennoch für sinnvoll. „Es hilft alles, was die Finanzbasis des Regimes unterhöhlt und den Druck erhöht.“ Wichtig wäre aber eine Kooperation mit Thailand. Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, sieht in Sanktionen ein Mittel, die Junta in Birma zu isolieren und die unabhängigen Kräfte zu stärken: „Dieses Mittel der internationalen Staatengemeinschaft macht deutlich, dass die Militärdiktatur isoliert ist.“ Die Europäische Union hat nach der blutigen Niederschlagung von Protesten in Rangun Wirtschaftssanktionen gegen Birma verhängt. Allerdings macht der Handel mit der EU nur etwa fünf Prozent des birmanischen Außenhandels aus, die größten Partner sind die Länder der Region. China hat in dieser Woche erklärt, es lehne wirtschaftliche Maßnahmen gegen Birma ab – andernfalls drohe das Land im Chaos zu versinken und zu einem zweiten Irak zu werden.

Aber selbst bei einem funktionierenden Boykott von Rubinen und Jade aus Birma hätte das Regime immer noch einen finanziellen Spielraum, denn die zweitgrößte Einnahmequelle ist der Verkauf von Edelhölzern – Birma ist weltweit der mit Abstand wichtigste Lieferant von Teak aus Naturbeständen. Die EU-Sanktionen sind nach Ansicht von Greenpeace-Experte Martin Kaiser nicht wirkungsvoll, da meist nicht erkennbar ist, woher die nach Europa eingeführten Hölzer stammen. „Das funktioniert nur mit unternehmerischer Verantwortung, wir brauchen eine glaubwürdige Zertifizierung des Handelsweges.“

Größte Einnahmequellen sind Erdgas und Erdöl

Die größte Einnahmequelle ist jedoch Erdöl und vor allem Erdgas. Birma ist einer der ältesten Ölproduzenten der Welt, die ersten Exporte gehen zurück in das Jahr 1853. Der französische Konzern Total führt ein Konsortium, das im Jahr 1992 einen Vertrag zur Förderung unterschrieben und seitdem nach eigenen Angaben eine Milliarde Dollar investiert hat. Im vergangenen Jahr förderte Total täglich 17,4 Millionen Kubikmeter Gas von der Offshore-Plattform Yadan im Indischen Ozean. Seit Jahren wehrt sich das Unternehmen gegen Vorwürfe, die Junta zu stützen und im Gegenzug für den Bau einer Pipeline sogar Zwangsarbeiter zur Verfügung gestellt bekommen zu haben.
Total hat hierzu eine eigene Internetseite eingerichtet (http:/burma.total.com) und verweist auf soziale und medizinische Projekte für Birmanen im Aktionsbereich von Total, wie Impfkampagnen und Krankenhäuser. Forderungen nach einem Rückzug aus Birma weist der Konzern zurück, denn wirtschaftliche Entwicklung und Menschenrechte gingen Hand in Hand. „Wir wissen, dass wir sofort durch Unternehmen ersetzt würden, die weniger Skrupel haben und unsere ethischen und sozialen Standards nicht aufrechterhalten würden“, heißt es auf der Homepage. Total-Chef Christophe de Margerie erklärte in der vergangenen Woche, Total sei „das letzte Bollwerk der Demokratie“ in Birma.

Während die Diskussion um den Sinn von internationalem Druck und Sanktionen anhält, zeigt sich erste Wirkung bei der Junta. Bei der noch bis zum 26.November laufenden Edelstein-Auktion in Rangun sind weniger Händler als sonst, viele halten sich zurück – man müsse erst einmal abwarten, wie sich die Boykotte auswirkten. Kurz nach dem Besuch des UN-Menschenrechtsbeauftragten Paulo Sergio Pinheiro in Birma wurden sechs politische Gefangene freigelassen.

Welt online 16. Nov. 2007

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