Not leiden vor allem die kleinen Leute in Birma

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Not leiden vor allem die kleinen Leute in Birma

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Do Okt 25, 2007 4:45 pm

Not leiden vor allem die kleinen Leute in Birma

Ausbleiben der Touristen nach den Unruhen trifft Militärregime nicht / Auch Sanktionen bislang erfolglos

NetObserver Studie
Vom 25.10.2007

LONDON/RANGUN Sechs Friedensnobelpreisträgerinnen haben in einem offenen Brief an die Vereinten Nationen appelliert, sich verstärkt für die birmanische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi einzusetzen. Suu Kyi steht in ihrer Heimat seit nunmehr zwölf Jahren unter Hausarrest.

Von

Dinah Gardner

Es ist ruhig an der Shwedagon-Pagode in Rangun, sehr ruhig. Dabei ist Oktober, Hochsaison, und normalerweise wären dort Hunderte von Touristen unterwegs. Es kommen aber höchstens zwei, drei am Tag, sagt ein Wärter. Seit das Militärregime die friedlichen Massendemonstrationen brutal niedergeschlagen hat, bleiben die Besucher aus. Keine 100 Meter vor dem Pagoden-Portal wurden die ersten Mönche niederknüppelt und mit Tränengas beschossen.

Das Leben läuft oberflächlich wieder normal in Rangun. In den Teehäusern sitzen Einheimische und schwatzen, auf den Straßen bieten Kleinhändler alles von frittierten Teigtaschen bis hin zu schwarz produzierten DVDs an. Die Busse sind wie üblich randvoll. Was fehlt, sind Touristen.

Zwei Monate nach Beginn der Demonstrationen, die als Protest gegen erhebliche Preissteigerungen begannen, geht es den Menschen schlechter denn je. Die Hotels stehen leer. Im Central Hotel in der Innenstadt ist die Auslastung von 70 auf 20 Prozent gesunken. Das Traders Hotel nahe der Sule-Pagode, aus dessen oberen Etagen während der Demonstrationen viele Videos und Fotos gemacht wurden, hat Dutzende Mitarbeiter nach Hause geschickt.

"Not leiden vor allem die kleinen Leute", sagt ein Amerikaner, der seit langem in Rangun wohnt. "Die Militärjunta bezieht prozentual gesehen nur wenig Einkommen aus dem Tourismus. Aber viele Kleinunternehmer, die mit dem Militär nichts zu tun haben, müssen jetzt schließen, und viele Hotels und Restaurants entlassen die Angestellten." Als Reaktion auf die blutige Niederschlagung der Demonstrationen - zehn Menschen kamen nach offizieller Darstellung ums Leben, nach Angaben von Dissidenten eher Hunderte - haben die EU und die USA weitere Sanktionen verhängt.

Aktivisten sehen darin wenig Sinn, vor allem, da Nachbarländer wie China, Indien und Thailand ungebremst weiter Handel mit Birma treiben. "Dann bekommen die Chinesen nur bessere Preise und nutzen die Not der Menschen aus", meint ein früherer politischer Gefangener, der jetzt als Reporter arbeitet, in Rangun. "Die Militärregierung hat jede Menge Verträge mit China, Indien, Thailand und Japan. Sie braucht die EU und die USA nicht." Die wenigen europäischen und amerikanischen Firmen im Land umgingen die Sanktionen einfach, sagt ein Kenner der Lage. Teak-Holz beispielsweise werde jetzt einfach über Thailand oder Singapur aus dem Land geschmuggelt, und damit werde das Herkunftsland verschleiert.

Ein britischer Mitarbeiter einer Ölfirma meint: "Wir machen schließlich auch Geschäfte mit Syrien und dem Iran. Die Amerikaner werden uns nicht dazwischenfunken, die wollen schließlich keinen Ölpreis von 100 Dollar pro Barrel."

Sanktionen gegen Birma gibt es seit Jahren, und sie haben das Regime bislang nicht in die Knie gezwungen. "Die Karte ist schon gespielt worden", sagt ein UN-Diplomat in Rangun. "Die Generäle wissen, wie sie damit umgehen." Dissidenten sehen einen Lichtblick daher eher in den wirtschaftlichen Anreizen, die der UN-Gesandte Ibrahim Gambari in Aussicht gestellt hat, um die Junta zu einem Dialog mit der Opposition zu bringen. "Wir brauchen Zuckerbrot und Peitsche", sagt eine Dissidentin. "Das könnte sie (die Junta) näher an den Verhandlungstisch bringen. Die Alternative mit mehr Blutvergießen, und wirtschaftlicher Ruin ist so erschreckend - ich muss optimistisch bleiben."

Wiesbadner Kurier 25. Okt. 2007

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