Burma: Die Abgeschiedenheit der Generäle im Dschungel

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Burma: Die Abgeschiedenheit der Generäle im Dschungel

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Do Okt 04, 2007 3:44 pm

Die Abgeschiedenheit der Generäle im Dschungel

Die burmesische Militärregierung lebt am neu geschaffenen Regierungssitz abgeschirmt von der als störend empfundenen Aussenwelt.

Von Grant Peck, AP

Es gibt keine Mobilfunkverbindungen und keine internationalen Flüge in die Stadt, keine Strassenverkäufer und kaum Leben in den Strassen. Mitten im Dschungel und schwer erreichbar haben sich die paranoiden Generäle der Junta die Retortenstadt Naypyidaw erschaffen.

Die Militärjunta beschloss 2005, alle Behörden aus der Hauptstadt Rangun abzuziehen. In grosser Eile und mit grossen Kostenaufwand wurde die Stadt errichtet. Bereits im vergangenen Jahr brachten Lastwagenkolonnen die Beamten samt Mobiliar in die Stadt rund 400 Kilometer nördlich von Rangun.

Wieso der Regierungssitz verlegt wurde, gehört zu den vielen Geheimnissen des abgeschotteten Regimes. Berichte kursierten, dass der Chefastrologe des abergläubischen Militärherrschers Than Shwe den Ort auserkoren hatte. Andere meinten, die Generäle fühlten sich im Landesinneren besser vor feindlichen Angriffen geschützt.

Achtspurige Autobahn

Offiziell wurde der Regierungssitz jedoch wegen der zentralen Lage der Stadt dorthin verlegt. Das kann allerdings nur für die Generäle gelten, die vom Militär dorthin geflogen werden. Normalsterbliche müssen von Rangun kommend acht bis zehn Stunden über eine zweispurige Landstrasse mit tiefen Schlaglöchern fahren - und dabei die Ochsengespanne umfahren. Erst kurz vor der «Stadt der Könige», so die wörtliche Übersetzung des Ortsnamens, beginnt eine pompöse, achtspurige Autobahn.

Im vergangenen Jahr, als sich die Generäle noch in ihrer unangefochtenen Macht sonnten, luden sie ausländische Journalisten in die sonst hermetisch abgeriegelte Stadt ein. Naypyidaw wirkte verlassen und trostlos, es herrschte kaum Leben in der Retortensiedlung. Das Rathaus erinnert an ein Bauwerk der totalitären Sowjet-Architektur, gekrönt mit einem traditionellem birmanischen Dach. Die breiten Prachtstrassen waren nahezu menschenleer. Die sonst in Asien allgegenwärtigen Strassenverkäufer fehlten völlig.

Die Soldaten bei Laune halten

Doch die vergangenen Tage haben den Generälen den Nutzen ihrer Enklave vorgeführt: Während die im August angeordneten Preiserhöhungen in Rangun zeitweise bis zu 100’000 Menschen auf die Strasse trieben, blieb die Lage in Naypyidaw völlig ruhig. Den Beamten wird ihre Loyalität gedankt: Sie sind in 1200 neuen vierstöckigen Häusern untergebracht und geniessen für burmesische Verhältnisse grössten Komfort. Sie wohnen mietfrei in geräumigen Appartements, Wasser und Elektrizität gibt es den ganzen Tag lang - eine Seltenheit in dem verarmten Land. Und für die Staatsdiener ist die Versorgung sogar kostenlos.

Offenbar hatten die Generäle in Rangun Angst um die blinde Gefolgschaft ihres Apparates. «Es herrschte Unruhe, dass die Soldaten sich in Rangun von den Massen anstecken lassen und sich von dem erhöhten Lebensstandard dort verweichlichen lassen würden», erklärte der thailändische Burma-Experte und Autor Larry Jagan. «Das war wirklich ein Mittel, das Militär völlig abzuschirmen, so dass es loyal bleibt.»

Die Generäle geniessen ihren üppigen Lebensstil

Der für die Armee reservierte Teil der Stadt ist sogar für hohe Beamte unzugänglich. Die Generäle leben hinter hohen Mauern. In den Hügeln hinter ihren Quartieren soll es geräumige Bunkeranlagen geben. Auch ihr Lebensstil gibt Anlass zur Spekulation. Ein im vergangenen Jahr im Internet bekannt gewordenes Video zeigte die Hochzeitsgesellschaft der Tochter von General Than: Die Braut trägt dabei teure Kleider, hat diamantbesetzten Schmuck und bekam Geschenke im Wert von rund 50 Millionen Dollar.

Trotz seines Rohstoffreichtums ist Burma nach Angaben der Vereinten Nationen (Uno) unter den 20 ärmsten Ländern der Welt. Die seit 1962 wechselnden Militärregierungen wirtschafteten das Land herunter. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen sank auf 200 Dollar - zehn Mal weniger als im benachbarten Thailand. 90 Prozent der 54 Millionen Einwohner haben täglich weniger als einen Dollar zur Verfügung. Doch diese Sorgen hat die abgeschottete Elite in Naypyidaw nicht.

Tages-Anzeiger 3. Okt. 2007

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