Burma: Blutlachen in Klöstern

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Burma: Blutlachen in Klöstern

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Do Okt 04, 2007 2:15 pm

Burma

Blutlachen in Klöstern

Die Sicherheitskräfte in Burma haben ihre Repressionen offenbar verlagert. Während ihre Präsenz in der Innenstadt Ranguns am Mittwoch reduziert und die Absperrungen abgebaut wurden, verstärkten sich Gerüchte, dass Soldaten und Spezialeinheiten nächtliche Razzien in Vororten durchführen. Die Verhaftungen zählen in die Hunderte, wenn nicht Tausende, schätzen Diplomaten in Rangun. Gerüchten zufolge, die ebenfalls von Diplomaten verbreitet werden, soll es zu „Massakern“ in Klöstern gekommen sein. Mehrere Zeitungen zitierten einen Mann, der als desertierter Geheimdienstmitarbeiter bezeichnet wurde, mit der Information, dass „Tausende von Mönchen“ getötet worden seien. Ihre Leichen seien im Dschungel versteckt worden.

Korrespondenten, denen eine Einreise nach Burma gelungen ist, berichteten am Mittwoch von menschenleeren Klöstern und anderen Orten, an denen sich normalerweise die Geistlichen sammeln. Geschätzte 800 bis 4000 Mönche sollen in den vergangenen Tagen in die Hände von Sicherheitskräften gefallen sein. Hunderte sitzen in Gefängnissen ein und sind offenbar in einen Hungerstreik getreten. Sie sollen in den kommenden Tagen in ein Lager im Norden des Landes deportiert werden. Viele Mönche sollen sich inzwischen auf der Flucht befinden und versuchen, mit Autos und Zügen Rangun zu verlassen. Ein Diplomat in Rangun berichtete von Blutlachen in Klöstern. Täglich würden ein bis zwei Leichen an Ufern angeschwemmt.

Tod von zehn Personen zugegeben

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, verlangte am Dienstag von der burmesischen Militärjunta „präzise und nachvollziehbare Informationen“ über die Anzahl der Toten und Verletzten. Auch die Bedingungen, unter denen die Verhafteten einsäßen, müssten offengelegt werden. Das burmesische Staatsfernsehen hat bislang den Tod von zehn Personen zugegeben.

Der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen, Gambari, beendete unterdessen seine Mission in Burma und befindet sich auf dem Weg zurück nach New York. Am vierten und letzten Tag seines Besuchs war es ihm schließlich doch noch gelungen, den Führer der Junta, General Than Shwe, in Naypidaw zu sprechen. Danach fand ein zweites Treffen mit der unter Hausarrest stehenden Oppositionsführerin, Aung San Suu Kyi, statt. Über die Inhalte der Gespräche wurde auch nichts bekannt, nachdem Gambari bei einem Zwischenstopp in Singapur mit dem dortigen Premierminister Lee Hsien Long gesprochen hatte. An diesem Donnerstag will Gambari dem Vernehmen nach UN-Generalsekretär Ban Ki-moon informieren und am Freitag möglicherweise dem UN-Sicherheitsrat Bericht erstatten.

Kopfschütteln und Empörung

Die unerwartete Pendeldiplomtie zwischen Rangun, wo Frau Suu Kyi festgehalten wird, und der neuen Hauptstadt Naypidaw hatte die Hoffnung genährt, dass Gambari Bewegung in die starren Fronten gebracht haben könnte. Skeptiker vermuten hingegen, dass sich die Juntaführung ähnlich stur gezeigt haben dürfte wie ihr Außenminister Nyan Win, der bei der UN-Generalversammlung in New York Kopfschütteln und Empörung mit seiner Sicht der Demokratiebewegung hervorgerufen hatte.

Nyan Win hatte von „politischen Opportunisten“ gesprochen, die mit Unterstützung feindlich gesinnter Länder kleine Proteste gegen die Benzinpreiserhöhungen ausgenutzt hätten. Die Sicherheitskräfte seien „mit äußerster Zurückhaltung“ gegen die Demonstranten vorgegangen und hätten wieder „Normalität“ hergestellt. Für die propagandistischen Absichten der Junta spricht, dass sie Gambari in die Stadt Lashio brachten, wo er einer organisierten Demonstration von Regierungsanhängern beiwohnen durfte.

rankfurter Allgemeine Zeitung 3. Okt. 2007

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