Die buddhistischen Mönche sind bereit zu sterben

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Die buddhistischen Mönche sind bereit zu sterben

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Do Sep 27, 2007 2:00 pm

Die buddhistischen Mönche sind bereit zu sterben

Sie sind aus dem Alltag der Nation nicht mehr wegzudenken.

Ein amerikanischer Psychologe, der sich in der thailändischen Hauptstadt Bangkok seit Jahren um den Gemütszustand vorwiegend westlicher Ausländer bemüht, staunt immer wieder über Asiaten. „Sie gehen zum buddhistischen Mönch“, sagt er, „der rät ihnen, eine gewisse Farbe und bestimmte Zahlen zu vermeiden. Und das scheint in den meisten Fällen zu funktionieren.“ Nebenher kümmert sich der Psychologe noch um das Schicksal illegaler burmesischer Wanderarbeiter in Thailand. Bei diesen Leuten, die vorwiegend aus dem ländlichen Regionen von Asiens ärmsten Land kommen, fällt auf: Sie sind nicht nur tief religiös. Abends, im Dunkeln vermuten Burmesen hinter jedem Strauch und in jeder düsteren Ecke einen Geist.

Wer so sehr an Mächte aus dem Jenseits, an Zahlen- und Sternenkombinationen glaubt, braucht im Alltag dringend Orientierung. Birmas buddhistische Mönche geben sie und sind aus dem Alltag der Nation nicht wegzudenken. Morgens, wenn sie mit ihren schwarz lackierten Bettelschalen die Runden machen, sammeln sie nicht nur Almosen ein. Sie hören sich auch die Klagen und Probleme der Spender an. Wenn Burmesen familiäre Probleme haben, holen sie den Rat der Mönche ein. Wenn es um geschäftliche Dinge geht, werden zuvor der Sternendeuter und der Mönch gefragt. Wer Liebeskummer bekämpfen will, geht erst einmal zum Mönch. In nahezu jedem Dorf Burmas lebt ein „Bikkhu“, eine Art lokaler Pfarrer, der oft mindestens so viel Einfluss besitzt wie der vom Regime eingesetzte Bürgermeister.

Rund 400 000 Mönche soll es in Birma geben. Manche Experten schätzen, dass diese Zahl sich verdoppeln lässt, wenn man die Birmanen hinzuzählt, die ihre Haare abrasieren und für ein Vierteljahr ins Kloster gehen - eine Entscheidung, an der die ganze Familie teilnimmt. Die Verwandten besuchen die Kurzzeit-Mönche regelmäßig.

Doch das Bild der friedliebenden, Suren singenden Mönche stimmt nur teilweise und hängt von der Entwicklung in verschiedenen Ländern ab. Sri Lankas buddhistischen Klerus beispielsweise ist durch rabiate, zur Gewalt neigende singhalesische Nationalisten geprägt. In Thailand sind die „Bikkhus“ teilweise als Frauenhelden verschrien. In Südkorea weiß jedes Kind, dass die Mönche, die Vegetarier sein sollten, sich das Steak versteckt unter dem Reis servieren lassen.

Birmas Militärregime, dessen Generäle zumeist aus einfachen Verhältnissen stammen, wiederum kennt zumindest die Vorlieben einiger alter Geistliche. Die Offiziere wollen sich mit der Schenkung von goldschimmernden Pagoden den Klerus nicht nur politisch gefügig machen, sie hoffen auch, dank ihrer Großzügigkeit im Jenseits gnädig aufgenommen zu werden.

Doch in diesen Tagen rächt sich, dass die Generäle seit Jahrzehnten nur an sich selbst dachten. Denn die meisten Mönche, die gegenwärtig auf den Straßen Ranguns den Schergen des Regimes die Stirn bieten, stammen aus Familien aus dem ganzen Land, die seit Jahren die Armut am eigenen Leib erfahren, die von den Männern in Uniform verursacht wird. Viele von ihnen sind kaum älter als 20 Jahre und kennen die brutale Gewalt, mit der die Generäle die letzten großen Proteste vor 20 Jahren unterdrückte, allenfalls vom Hörensagen.

Frei von dem Alptraum des Blutbads bei der 1988er-Studentenrevolte wollen sie nun die Machtprobe wagen. „Wir werden zuerst unser freundliches Gesichts zeigen“, sagte einer der Mönche am Mittwoch in Rangun, „aber wir sind bereit zu sterben.“ Die Opferbereitschaft beruht teilweise auf der tiefen religiösen Überzeugung, dass nach einem rechtschaffenen Leben im Nirwana, dem Paradies, eine Art Verlängerung des vorbildlichen Lebens zu erwarten ist.

Koelner Stadtanzeiger 26. Sept. 2007

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