Über die Rohingya in Myanmar

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Rudi
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Über die Rohingya in Myanmar

Ungelesener Beitragvon Rudi » Mi Sep 20, 2017 12:46 pm

Historiker betrachten die Rohingya als Einwanderer aus dem benachbarten Bangladesch – eine Auffassung, die die meisten Menschen in Myanmar teilen. Demnach siedelten die britischen Herrscher im 19. Jahrhundert Bauern aus dem muslimischen Bangladesch in Myanmar an. Habe der Anteil der Muslime in der Region Rakhine 1869 noch fünf Prozent betragen, sei er 1912 bereits auf über 30 Prozent gestiegen, sagt der Historiker Jacques Leider und stützt sich dabei auf eine britische Volkszählung.

Wann gab es die ersten Konflikte?
Die britischen Kolonialherren bevorzugten die Rohingya und schürten damit Konflikte zwischen den Volksgruppen gezielt, um die Bevölkerung zu spalten und dadurch die eigene Macht zu festigen. In den Augen der Myanmarer seien die Rohingya dadurch zu Volksverrätern geworden, sagt Sophie Boisseau du Rocher, Südostasien-Expertin am Französischen Institut für Internationale Beziehungen (Ifri).
Während des Zweiten Weltkrieges stachelte Großbritannien die Muslime gegen die buddhistischen Nationalisten im Land auf, die sich mit Japan verbündet hatten. "Die britische und die japanische Armee nutzten die bestehenden Spannungen und Feindseligkeiten in der Bevölkerung für ihre eigenen militärischen Ziele", sagt der Wissenschaftler Moshe Yegar, der ein Buch über Muslime in Myanmar geschrieben hat. Als die Briten 1942 aus der Region abzogen, eskalierte die Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen.

Warum flohen die Rohingya?
Die Verfassung von 1947 erkannte die Rohingya an und gewährte ihnen das Wahlrecht. Die ab 1962 herrschende Militärdiktatur schränkte die Rechte der ethnischen Minderheiten wieder ein. 1978 und 1991/92 ging das Militär gegen die Rohingya vor, 250.000 Menschen flohen vor der Gewalt nach Bangladesch. Einige von ihnen kehrten später wieder nach Myanmar zurück – nach Einschätzung des UNHCR nicht freiwillig. 1982 wurde den Rohingya die Staatsangehörigkeit entzogen.
Seit der Öffnung des Landes 2011 erstarkte der buddhistische Extremismus. Bei Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Rohingya 2012 wurden mehr als 200 Menschen getötet. 120.000 vertriebene Rohingya suchten Zuflucht in Lagern nahe der Regionalhauptstadt Sittwe. Viele leben noch heute dort, andere gingen ins Exil. Bei der Flucht über den Golf von Bengalen ertranken Tausende.
Im Oktober 2016 verübte die Rebellengruppe Arakan Rohingya Salvation Army (Arsa) erstmals Angriffe auf Soldaten. Die Armee reagierte darauf mit einem massiven Einsatz. Rund 87.000 Rohingya flohen nach Bangladesch. Als Arsa-Rebellen Ende August erneut Sicherheitskräfte in Rakhine attackierten, reagierte die Armee wiederum mit Gewalt.

Die Interessen des amerikanischen Empire in Burma – Angriff auf die Seidenstraße
Zu aller erst haben die USA ein großes Interesse an der Eskalation des Konfliktes: Denn der Bundesstaat Rakhine, in welchem sich der Konflikt hauptsächlich abspielt, liegt zufällig direkt an einer geplanten Erdölpipeline Richtung China.
Das die Chinesische Volksrepublik in den Augen Trumps, aber auch seines ehemaligen Chefberaters Bannen, das Böse auf der Welt symbolisiert, weiß man spätestens seit der massiven Kriegshetze gegen dessen Bündnispartner Nordkorea.
Da die USA China nur schwer militärisch Herr werden können, versuchen sie es über die wirtschaftliche Schiene. Die Erdölversorgung der Volksrepublik ist hierbei der Punkt, an dem die USA ansetzen wollen.
Darüber hinaus führt über Rakhine auch die südliche Route des gigantischen Verkehrs- und Infrastrukturprojekts Chinas, der Neuen Seidenstraße. Diese soll eine Verbindung Chinas mit Europa mittels Hochgeschwindigkeitszügen gewährleisten, um die wirtschaftliche Integration Eurasiens voranzutreiben. Für die USA ist dieses Projekt nichts anderes als ein wirklich gewordener Alptraum, der ihre Hegemonie über Europa massiv bedroht.
Gerade deswegen inszenieren sich die Vereinigten Staaten als Anwalt der Rohingya und nicht weil sie aus moralisch hehren Idealen handelten. Auch diesmal dienen die Menschenrechte nur als Vorwand.
Vielmehr wollen sie Rakhine zum Kosovo Südostasiens machen, um auch dort, direkt am Golf von Bengalen ein südostasiatisches Pendant zu Camp Bondsteel zu errichten. Camp Bondsteel ist eine Militärbasis der United States Army in Ferizaj im Kosovo. In ihr befindet sich das Hauptquartier des US-amerikanischen KFOR-Kontingents. Die Basis ist nach James Leroy Bondsteel, einem Vietnamkriegsveteranen, benannt. Wikipedia
Und vom Kosovo zum Syrien Südostasiens wäre es dann nur ein kleiner Sprung: Getreu der Vision des “Eurasischen Balkans” sollen die ethnischen, religiösen und stammesbedingten Gegensätze in der Region gegeneinander ausgespielt werden, um die Region zu zerstückeln und somit zu schwächen.
Auch der Islamische Staat könnte seine alte Tradition der Kooperation mit dem Westen fortführen und dank US-Hilfe in Rakhine ein Comeback erleben.

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dogmai
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Re: Über die Rohingya in Myanmar

Ungelesener Beitragvon dogmai » Mi Sep 20, 2017 11:19 pm

Das ist ein außerordentlich interessanter Gesichtspunkt, der mir bisher so nicht bewußt war. Macht mir die USA und auch die Friedensnobelpreisträgerin an der offiziellen Spitze von Myanmar, Aung San Suu Kyi, nicht gerade symphatisch. Sie hat sich in ihrem ersten öffentlichen Auftritt seit der Flüchtlingskrise in ihrer Rede an die Nation sehr zurückhaltend geäußert, und ließ keinerlei Kritik an der militärischen Führung, vor allem am für die Aktionen verantwortlichen Armeechef Min Aung Hlain, erkennen. Sie behauptete, seit dem 5. September gebe es keine "Säuberungsaktionen" mehr. Daß sie sich sehr vorsichtig in Richtung Militär äußert oder garnicht hat sicher die gleichen Gründe wie in Thailand: das Militär hat die Macht.

Ach ja, da in den USA ja nur noch ein Trumpel das Sagen hat, geht das ja dann wohl auf ihn zurück:

Rudi hat geschrieben:Zu aller erst haben die USA ein großes Interesse an der Eskalation des Konfliktes: Denn der Bundesstaat Rakhine, in welchem sich der Konflikt hauptsächlich abspielt, liegt zufällig direkt an einer geplanten Erdölpipeline Richtung China.


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