Netzüberwachung beginnt mit Technik des Westens

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Netzüberwachung beginnt mit Technik des Westens

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Mo Sep 05, 2011 9:30 pm

INTERNET

Netzüberwachung beginnt mit Technik des Westens

Die Technik, mit der Regime das Netz überwachen, stammt aus Europa und den USA, schreibt EFF-Aktivistin Jillian York. Sie fordert Ethikstandards und Exportkontrollen.

Was für die Bürgerrechtsbewegung Electronic Frontier Foundation (EFF) schon lange ein Thema ist, macht in letzter Zeit wieder Schlagzeilen: Es gibt Berichte, dass autoritäre Regime ihre Bürger mit Technologie überwachen und ausspionieren, die in Europa und den USA entwickelt und gebaut wurde. Neue Indizien dafür gibt es derzeit aus Bahrain, Libyen, Syrien und Thailand.

Bahrain nutzte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg von vergangener Woche Bahrain Überwachungssoftware von Nokia Siemens Networks, um private Nachrichten abzufangen und Informationen über Menschenrechtler zu sammeln, die dann verhaftet und gefoltert wurden.

Ein Artikel im Wall Street Journal von dieser Woche behauptet, entsprechende Produkte der französischen Firma Amesys und des südafrikanischen Unternehmens VASTech seien in Libyen eingesetzt worden.

Ähnliche Hinweise gibt es auch zur amerikanischen Firma Bluecoat Technologies. Hacktivisten haben Hinweise entdeckt, dass Technik dieses Unternehmens von syrischen Behörden zur Deep Packet Inspection benutzt wird, also zur Filterung von Netzinhalten.

Und die Organisation Reporter ohne Grenzen behauptet, der kanadische Netz-Zugangsanbieter Netfirms, der auch Büros in den USA besitzt, habe Informationen über einen amerikanischen Staatsbürger thailändischer Herkunft an die thailändische Regierung weitergegeben. Die thailändische Regierung habe den Mann daraufhin als Betreiber eines regierungskritischen Blogs identifizieren können und habe ihn verhaften lassen, als er Thailand besuchte.

Die EFF hat schon früher dokumentiert, dass Firmen wie Cisco und Nortel Überwachungstechnik an China verkaufen. Zwei noch laufende Verfahren legen außerdem nahe, dass die von Cisco an China gelieferte Technik genutzt wurde, um Menschenrechte zu verletzen.

Es ist auf erschreckende Weise klar, dass wesentliche Teile des Internets mithilfe von Technik überwacht werden, die von amerikanischen und europäischen Firmen stammt. Diese Firmen dürfen solche Technik nahezu ohne Einschränkungen exportieren.

Da es keine wirkungsvollen Kontrollen gibt, werden der Schutz der Privatsphäre und die Sicherheit vieler Menschen einfach den Unternehmen überlassen. Zum einen wird propagiert, die Unternehmen hätten "soziale Verantwortung", zum anderen wird argumentiert, sie unterlägen ja dem Gesetz. Doch das lässt wichtige Fragen offen: Wie viel Druck es braucht zum Beispiel, damit soziale Verantwortung auch wirksam ist. Und wie sehr kann man sich auf das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit in Ländern verlassen, in denen die Rechtsstaatlichkeit schwach ausgeprägt ist oder nicht existiert?

Im vergangenen Jahr haben wir US-Außenministerin Hillary Clinton applaudiert, als sie in einer Rede amerikanische Firmen aufforderte, sich auf demokratische Prinzipien zu besinnen und gegenüber ausländischen Regierungen, die Überwachung und Zensur wünschen, eine "proaktive Rolle" einzunehmen. Wir haben auch Clintons Anerkennung der Global Network Initiative zur Kenntnis genommen, die Firmen wie Google, Yahoo und Microsoft mit Organisationen wie der EFF, dem Committee to Protect Journalists und Human Rights Watch zusammenbringt, um über Datenschutz und freie Meinungsäußerung zu sprechen.

Aber obwohl manche soziale Netzwerke in dieser Hinsicht Fortschritte gemacht haben, gab es kaum Veränderungen beim Verkauf von Filter- und Überwachungstechnik von Firmen in den USA und anderen demokratischen Ländern an autoritäre Regime. Marktführer wie Cisco entwickeln zwar gerade ethische Richtlinien, die ihnen bei Verkaufsentscheidungen helfen sollen. Aber auch solche Richtlinien sind sinnlos, wenn das Ergebnis eines Geschäftes immer noch Zensur und Überwachung ist. Außerdem betrifft das nur Cisco. Es gibt kaum Hinweise darauf, dass auch kleinere Firmen bei ihren Geschäftsentscheidungen die Menschenrechte bedenken.

Der Autor und Stanford-Wissenschaftler Evgeny Morozov schreibt in der New York Times: "Wenn die westlichen Überwachungsinstrumente weiterhin unkontrolliert bleiben, werden sie die Idee der 'Freiheit des Netzes' ebenso untergraben wie westliche Waffenexporte die vom Westen initiierten Friedensinitiativen. Wie viele Aktivisten werden den Versprechen westlicher Regierungen noch vertrauen, wenn sie gleichzeitig mit sensiblen Informationen konfrontiert werden, die dank der Technik des Westens gesammelt wurden?"

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nano
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Re: Netzüberwachung beginnt mit Technik des Westens

Ungelesener Beitragvon nano » Di Sep 06, 2011 8:56 am

Der Fortschritt der Technik und deren Begleiterscheinungen wie die Verbesserung der Zensur- und Ueberwachungs Moeglichkeiten sind mit Verbote, Ethik Standarts, Restriktionen etc. nicht beizukommen. Regierungen finden - langsam aber stetig - den Pfad der WEB Kontrolle auch ohne den Westen.

Die Freiheit des Netzes ist mit Technik des Westen möglich. Contents Filterung kann zum Beispiel mit Web-Anonymizer wie zum Beispiel TOR oder JonDo (Mixerkaskade mit 1 | 3 Mixer) umgangen werden. Bei IP/Domain Filterung sind Massnahmen schwierig/aufwendig - ist das gleiche wie der Staat bei mir den Telefonstecker zieht.

Ref: http://de.wikipedia.org/wiki/JonDo#Vor- ... ngsmodells
Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren. Zitat von Benjamin Franklin


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