Senioren wandern in Schwellenländer aus

Als Rentner in Thailand leben? Für Themen, die unsere Rente und unseren Status betreffen.

Senioren wandern in Schwellenländer aus

Ungelesener Beitragvon KoratCat » Di Okt 30, 2007 6:16 pm

Senioren wandern in Schwellenländer aus

Furcht vor Altersarmut nimmt zu - In Thailand ist das Leben viel billiger - Was Ruheständler beachten sollten


Wirtschaftsfachleute und Politiker sind sich seit Jahren einig: Deutsche Senioren haben nie zuvor über so viel Vermögen verfügt wie die heutige Generation der Ruheständler. Und das ist der Hauptgrund, warum immer mehr Unternehmen die über 50-Jährigen als "wichtigen Markt" entdecken. Doch der vermeintliche Trend vom "Wohlstand bis zum Grabe" wird spätestens in den kommenden Rentnergenerationen kippen. Etliche Untersuchungen zeigen inzwischen: Der Mehrheit der Deutschen droht eine Altersarmut - sofern sie nicht auch privat für den Ruhestand vorsorgen.

Nach einer Studie des Vorsorgespezialisten Klaus Heubeck, so die Zeitschrift "Capital", wird selbst der deutsche Durchschnittsverdiener im Rentenalter nur noch knapp an der Bedürftigkeitsgrenze vorbeikommen. Mit 960 Euro Monatsrente nach aktueller Kaufkraft dürfte dann ein heute 40-Jähriger ganze 60 Euro über der künftigen Armutsgrenze liegen. Auch Heubeck bemerkt: "Ohne zusätzliche Altersvorsorge besteht für weite Teile der Bevölkerung die Gefahr der Altersarmut." Bereits heute steigt die Zahl der Rentner, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung haben Ende 2006 rund 682 000 Menschen in Deutschland in Anspruch genommen. Das waren gut acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Anfang 2003 eingeführte Grundsicherung sichert den grundlegenden Bedarf für den Lebensunterhalt. Im Schnitt erhielten die Empfänger monatlich 381 Euro. Bereits heute ist jeder 22. der rund 356 000 Hamburger, die über 65 Jahre alt sind, von Altersarmut betroffen - das heißt, er bezieht trotz Rente Sozialleistungen, um das Existenzminimum zu sichern. Und nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa zweifelt jeder Dritte von 800 Befragten Hamburgern daran, dass er seine Altersvorsorge-Ziele erreichen wird. Unter den Jüngeren bis 29 Jahren waren es bei dieser repräsentativen Umfrage sogar 46 Prozent.

Auswandern

Angesichts dieser Zahlen bieten einige Unternehmen in erster Linie deutschen, Schweizer und österreichischen Senioren Ruhesitze in Schwellenländern an. Derzeit beliebtestes Auswanderungsziel: Thailand. Schon vor einigen Jahren schrieb die in Thailand "für Urlauber und Residenten" erscheinende deutschsprachige Zeitung "Der Farang": "Das exotische Thailand ist für Rentner als Alterssitz zunehmend attraktiv geworden."

Die Überlegung, als Pensionär in ein billigeres Land auszuwandern, ist nicht so neu. Schon in den siebziger Jahren, als sich viele Europäer auf den damals noch billigen Inseln Mallorca oder Teneriffa zur Ruhe setzten, gingen japanische Rentner in asiatische Nachbarländer, weil die Lebenshaltungskosten dort niedriger waren als im Inselreich. Schon 1998 sagte der japanische Experte Ryohei Murata: "Japan wie Deutschland haben das gleiche Problem: immer weniger Erwerbstätige finanzieren mit ihren Beiträgen immer mehr Rentner." Doch in den vergangenen Jahren ist auch in der Toskana, auf den Kanarischen Inseln und den Balearen das Leben teurer geworden. Nicht nur die gebürtigen Mallorquiner, auch die 29 094 Mallorca-Deutschen, die ständig auf der Insel leben, haben laut einer Untersuchung der Staatsbank Banco de Espagna immer häufiger Geldsorgen. Kosteten vor zehn Jahren eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen umgerechnet 80 Cent, so sind es heute 3,50 Euro.

Schwellenländer kein Tabu

Deshalb scheint der Gedanke, seinen Lebensabend in einem asiatischen Schwellenland zu verbringen, auch bei uns Fuß zu fassen. Eines der Unternehmen, das gerade ein großes Projekt in der 65 000 Einwohner zählenden thailändischen Stadt Hua Hin zu entwickeln beginnt, ist das 2007 gegründete Schweizer Unternehmen Senioren Paradies AG. Hua Hin, etwa 180 km südlich von Bangkok, ist nach Pattaya das bekannteste Seebad in Thailand. Auch der König wohnt auf Anraten seiner Ärzte wegen des Meeresklimas permanent in Hua Hin. Entsprechend ausgebildet sind Infrastruktur und Verkehrswege.

Die geplante Seniorensiedlung, in der die ersten Objekte schon verkauft werden, soll die Vorteile einer modernen Ferienclubanlage mit den notwendigen Betreuungsmöglichkeiten einer Luxus-Senioren-Residenz verbinden. Mittelpunkt der Anlage ist ein professionelles Service Center mit Arztpraxis, Physiotherapie, Massagestudio, dazu Kosmetik- und Beautysalon, Hotelzimmern und Suiten für Besucher aus der Heimat. Ein andere Seniorenresidenz namens "Abendsonne" wirbt mit den Sätzen: "Eine Person im Bungalow entrichtet pro Monat 1100 Euro. Darin ist außer alkoholischen Getränken so ziemlich alles enthalten." In Ban Krud, einer kleinen Stadt 350 km südlich von Bangkok, befindet sich die Anlage "Vitalität". Unterkunft wird in Einzel- oder auch Doppelzimmern angeboten. Pflegepersonal steht nach Auskunft der Betreiber bis zu 24 Stunden zur Verfügung.

Prospekttexte lesen sich bekanntermaßen immer schön. Tatsache ist jedoch, dass ähnlich positive Beobachtungen auch von anderer Seite gemacht werden. Der Schweizer Therapeut Martin Woodtli suchte im Jahr 2002 für seine demenzkranke Mutter eine erschwingliche Betreuung - und fand sie in Chiang Mai in Nord-Thailand. Seitdem verwirklichte er dort das Projekt "Baan Kamlangchay", eine Residenz für Alzheimerpatienten.

Eine der Hauptsorgen älterer Menschen ist die Frage nach medizinischer Versorgung. Der studentische Informationsdienst http://www.e-fellows.netbemerkt zur medizinischen Lage in Thailand: "Die medizinische Versorgung ist in Thailand sehr gut ... Das 'Bumrungrad Hospital' (in Bangkok) ist eines der besten Krankenhäuser der Welt und die Ärzte dort sprechen ausgezeichnet Englisch. Man wird schnell und gut behandelt."

Sicher bedeutet der Beginn eines späten Lebens in einem asiatischen Land manche Umstellung. Manchen macht die Hitze zu schaffen, anderen auch die andere Lebensweise der heimischen Bevölkerung. Das von der Zeitung "Der Farang" befragte Schweizer Ehepaar, das in der Heimat alle Brücken hinter sich abbrach und nach Thailand auswanderte, bemerkt: "Von unserem Beruf her waren wir an Pünktlichkeit und Disziplin gewöhnt. Das fehlende Zeitgefühl der Thais ist für uns schon sehr gewöhnungsbedürftig." Ansonsten vermissen sie wenig. Viele der Residenzen bieten europäische Küche, soweit man nicht selber kocht. Lebensmittel auf dem Markt sind bis zu sechsmal billiger als in unseren Supermärkten. Werner P., ein ehemaliger Hamburger Rundfunksprecher ist fast 80: "Meine Rente ist nicht groß, die Preise in Deutschland gehen immer höher - so verbringe ich jeden Winter einige Monate in Thailand und kann dabei noch sparen."

Welt Online 29. Okt. 2007
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