Khalil Gibran aus: "Der Prophet - Über die Liebe")

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Rudi
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Khalil Gibran aus: "Der Prophet - Über die Liebe")

Ungelesener Beitragvon Rudi » Mo Mär 13, 2017 9:10 am

Khalil Gibrans Zitat bringt einen anderen Aspekt der viel-besungenen Liebe zum Ausdruck als wir es uns gemeinhin vorstellen. Es ist die „romantische Liebe“, die uns buchstäblich in eine andere Welt entrückt. Die Welt wirkt rosaroter, aber auch etwas weltfern! Leider ist diese Phase der „Verliebtheit“ nicht von Dauer. Der Körper reagiert auf die Ausschüttung von chemischen Botenstoffen und der Verknüpfung neuer neuronaler Verbindungen, die den Verstand benebeln. Es soll von Seiten der Natur der Arterhaltung dienen. Nach einer gewissen Zeit wird der Hormonspiegel wieder runter-gefahren und zurück bleiben zwei „ernüchterte" Menschen und es reift die Einsicht, dass man eigentlich mehr blind vor Liebe war, eigentlich gar nicht zueinander passte und sich „entliebt“ hat.

In der Weise ist die Liebe nur eine Emotion, die wir mit etwas Angenehmen und für uns Guten und Wertvollen verbinden. Liebe und Zuneigung sind für uns Menschen ein und dieselbe Empfindung. Können wir aus irgendeinem Grund diese Emotionen nicht leben oder verwirklichen, sei es durch Verlust oder Trennung, können sie ins Gegenteil umschlagen, und aus tiefster Zuneigung erwachsen Enttäuschung, Trauer und Wut! Was hat es mit der Liebe auf sich, die Khalil Gibran beschreibt?

Eine Liebe, die wir nicht besitzen und deren Lauf wir nicht lenken können. Die Liebe ist es, die unseren Lauf lenkt, uns krönt auch kreuzigt! Wir ersehnen uns nichts mehr als diese romantische Liebe, die uns ein heile, schmerzfreie Welt verspricht und gleichzeitig fürchten wir nichts mehr als die Liebe, die uns geradewegs in den „Tod“ führt wie ein Schmetterling, der in eine brennende Kerze fliegt und vergeht. Zurecht fürchten wir die Liebe, der wir hier wie da ausgeliefert sind.

Jack Kornfield erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen: Er wurde um eine Bluttransfusion für seine Schwester gebeten, um ihr das Leben zu retten. Nach langem Zögern, stimmte er zu. Nachdem die Kanülen und Schläuche gelegt wurden und der Junge zusieht, wie das Blut aus seinem Arm durch den Schlauch in den Arm seiner Schwester fließt, fragte er: „Wann werde ich nun sterben?“ Er war bereit sein Leben hinzugeben, um das Leben seiner Schwester zu retten. Es ist die Liebe, die nicht nur den Tod nicht fürchtet, sondern bereit ist, das eigene Leben hinzugeben, um das Leben eines anderen zu erhalten und zu schützen. „Sie erträgt alles und hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf!“, schreibt der Apostel Paulus (1. Korinther 13).

Unter der Liebe, die in der christlichen Tradition mit dem Göttlichen verglichen wird, ist aber nicht eine „fremde furchterregende Macht“ zu verstehen, sondern dieses Göttliche, dieses EINE ist deine wahre Natur und die Natur aller Wesen, wie Willigis in seinem „Bekenntnis“ schreibt. Diese Liebe ist die „Grundstruktur des gesamten Kosmos“! ES ist das alles Verbindende. Mehr noch: Diese Liebe ist jenes „Unfassbare“, das mich im anderen als mich selbst erkennen lässt. Die Liebesmystik besingt die Liebe als jene „Kraft“, die alle Trennung, selbst den Tod, überwindet und die Illusion des Getrennten und des Anderen entlarvt. „Liebe Gott aus ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst“ würde in diesem Sinne bedeuten, dass der oder das „Andere“ so nicht existiert. „Liebe Gott und den Nächsten, denn du bist es selbst!“ – spricht die Mystik! Eine solche (mystische) Sprache ist nur möglich, wenn das Ich „gestorben“ ist (Tauler). Wir können alle Religionen, alle Weltanschauungen, alles Wissen dieser Welt, alle Dogmen und Lehren vergessen, aber um Liebe und Mitgefühl kommen wir nicht herum - „das ist meine wahre Religion, mein schlichter Glaube!“ sagt der Dalai Lama.

Die „mystische Liebe“ führt in den Tod des egozentrischen Ichs und befreit den Menschen zu seinem wahren Selbst. Es ist ein Weg permanenter „Kreuzigung“ und gleichzeitig einer andauernden Befreiung zu einem bedingungslosen, überschwänglichen „Ja!“ - auch und gerade zu dieser uns ständig fordernden und manchmal überfordernden Welt hin!

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