Das Thomas-Evangelium und warum es nicht in der Bibel steht

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Rudi
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Das Thomas-Evangelium und warum es nicht in der Bibel steht

Ungelesener Beitragvon Rudi » Mi Nov 06, 2013 10:52 am

Das Thomas-Evangelium
und warum es nicht in der Bibel steht

In den ersten drei Jahrhunderten nach Jesu Tod gab es hunderte verschiedene Versionen der Worte Jesu Christi, hunderte von Evangelien. Diese konkurrierenden Evangelien der frühen Christen blieben solange bestehen, bis der römische Kaiser Konstantin zu einer Version dieses Glaubens über-getreten war. Im Jahre 325 berief er ein Konzil der frühen christlichen Bischöfe und Theologen in Nicäa, (in der heutigen Türkei) ein, um ein für allemal festzulegen, wer Jesus war, was er sagte und tat. Es wird berichtet, dass alle Teilnehmer dabei ziemlich unter Druck standen. Würde Konstantin nicht die von ihm gewünschte Übereinstimmung erhalten, so könnte er dem Christentum seine Unterstützung entziehen.
Das Ergebnis bestand aus einer Anzahl von Kompromissen. Da in der römischen Kultur zum Beispiel der Sonnengott sehr beliebt war, erklärte das Konzil den römischen Sonnen-Tag zum christlichen Sonntag. Auf gleiche Weise übernahm das Konzil die traditionelle Feier der Sonnengeburt um die Wintersonnenwende als Feier von Jesu Geburtstag. Für Jesus und seine frühen Nachfolger hatten diese Tage keine besondere Bewandtnis.
Darüber hinaus verbannte das Konzil von Nicäa alle anderen Versionen und Varianten der Evangelien (auch das Thomas-Evangelium), außer denen des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
Nach einem zeitgenössischen Bericht wurden die hunderte Evangelien und Berichte der Lehren Jesu, die zu dieser Zeit verfügbar waren, in der Versammlungshalle unter einen Tisch gelegt. Am Ende des Tages gingen alle, die Halle wurde verschlossen. Alle versammelten Bischöfe wurden aufgefordert, darum zu beten, dass die wahren Evangelien auf wunderbare Weise am nächsten Morgen auf dem Tisch erscheinen mögen. Am nächsten Tage lagen nur die Bücher von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes auf dem Tisch. Niemand hat berichtet, wer in der Nacht den Schlüssel zu dem Raum hatte.
Von jener Zeit an wurden nun alle anderen Evangelien, die in Nicäa nicht auf dem Tisch lagen, entweder versteckt (wie das Thomas-Evangelium) oder zerstört. Dabei wurden die für das Neue Testament ausgewählten vier Evangelien als kanonisch anerkannt. Das heißt, als inspirierte und allein maßgebende Richtschnur für christliches Leben und Handeln, während die übrigen als apokryph - dass heißt, als verborgen, geheim, und nicht biblisch - von der gottesdienstlichen Lesung ausgeschlossen wurden. Hierzu zählte auch das Thomas-Evangelium, das ebenfalls als apokryph erklärt wurde, obwohl es im gleichen oder sogar in erhöhtem Maße vom Geiste Christi erfüllt ist wie die anderen vier Evangelien-Texte und in gleicher Weise überliefert ist wie diese.
Zu der Zeit des Konzils von Nicäa gehörte der östliche Teil dessen, was heute die Türkei, Syrien und der Irak ist, zum Persischen Reich. Dort besaßen die Christen noch Kopien früher Schriften, welche sie zu Hause offen studieren konnten, ohne Angst vor Verfolgung. Zu diesen Schriften gehörte in den frühen Tagen schon das Thomas-Evangelium, welches aller Wahrscheinlichkeit nach in Syrien zusammengestellt wurde und eine Sicht Jesu als Weisheitslehrer und weniger als Heiland wiedergibt.
Über Inhalt und Umfang des Thomas-Evangeliums war bisher wenig bekannt. Das hier über anderthalb Jahrtausende herrschende Dunkel wurde erst jetzt mit einem Schlag beseitigt, und zwar durch das Auffinden des bisher nur dem Namen nach bekannten Thomas-Evangeliums in der Nähe der Ortschaft Nag Hammậdi, hundert Kilometer nördlich von Luxor in Oberägypten.
Das Wiederauffinden des vollständigen Thomas-Evangeliums darf als ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte des Christentums gewertet werden. Es enthält eine von der Orthodoxie völlig abweichende Jesus-Darstellung. Und Rom ließ und lässt nichts unversucht, die Funde mit dem Mantel der Vergesslichkeit zu bedecken und reagiert nur sehr zurückhaltend. Bei den viel-diskutierten Schriftrollen von Qumran, die 1947 und 1952 in Höhlen am Nordufer des Toten Meeres gefunden wurden, handelt es sich um Handschriften des Alten Testaments sowie um Urkunden und Heilslehren der Essener aus der Zeit vor Christi Geburt. Dagegen werfen die Funde aus dem Nilsand bei Nag Hammậdi, die aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung stammen, neues Licht auf die Texte des Neuen Testaments und den Glauben der Urchristen. Ihre Entdeckung begann damit, dass ägyptische Bauern 1945 in einem Grab auf einem antiken Friedhof einen Krug fanden, der teilweise in Leder gebundene Papyrusbände enthielt. Diese Aufzeichnungen gingen von Hand zu Hand weiter, bis sie im Koptischen Museum in Kairo landeten, wo sie zunächst unbeachtet blieben. Erst 11 Jahre später begann mit der wissenschaftlichen Untersuchung die Erkenntnis der Bedeutung der Handschriften.
Der Galiläer Thomas, der bisher - völlig zu Unrecht - als der Ungläubige galt, wurde im Jahre 31 von Jesus zum Apostelamt berufen. Er war einer der zwölf Jünger Jesu, der in den Evangelien wenig erwähnt wurde, da seine Christusworte wohl nur für den inneren Kreis der Jünger bestimmt waren. Jeder Jünger sieht in Jesus das, was seinem spirituellen Niveau entspricht. Thomas kann Jesus nicht mit Worten beschreiben, weil er in Jesus das unbeschreibbare Göttliche sieht. Thomas ist also auf der Ebene, auf der sich ihm das Göttliche unmittelbar offenbart. Und so offenbart ihm Jesus Dinge, die er den anderen noch nicht sagen kann. Im 13. Loggion des Thomas-Evangeliums wird gesagt: Nicht nur Jesus ist erleuchtet, sondern auch Thomas. Das bedeutet, Thomas hat schon den Weg der Selbsterkenntnis durchschritten und sich quasi selbst erlöst - angeleitet - natürlich durch die Worte Jesu.
Thomas berichtet nicht wie die anderen Evangelien über Jesu Leben und Wirken, vielmehr setzt er die Kenntnis dieser dort enthaltenen Tatsachen offenbar als selbstverständlich voraus. Das zentrale Thema im Thomas-Evangelium ist das Reich Gottes. Was ist es, wo ist es und wie kommt man hinein?

Das Thomas-Evangelium stellt ausschließlich eine in sich geschlossene Sammlung jener geheimen Christusworte dar, die sich an die bereits im Erwachen Stehenden wenden. Statt von äußeren Wundern handelt dieses Thomas-Evangelium vom inneren Wunder der Wandlung und Erneuerung des Menschen und leitet und unmittelbar zum inneren Christentum hin. Das Thomas-Evangelium ist gewissermaßen die Weiterführung und Ergänzung der Bergpredigt, an deren Worte es wiederholt anknüpft.
Der spirituelle Wert des Thomas-Evangeliums leuchtet dem nach Gott Suchenden je nach seinem Bewusstsein und seiner Reife unmittelbar ein.
Wer die geheimen Christusworte liest und sie befolgt, wird sich von ihm zu wahrer Selbst- und Gotteserkenntnis geleitet sehen - nicht von außen, sondern von innen her. In diesen Worten tritt Christus uns als der Erleuchtete und Vollendete entgegen, der allen Lichtsuchern den Weg zum Reiche Gottes sichtbar macht.
Jesus-Zitate aus dem Thomas-Evangelium, Jesus sagte:
"Wenn ihr euch selbst erkennt, wird Gott euch erkennen und wählen. Dann werdet ihr begreifen, dass ihr Kinder des lebendigen Vaters seid. Wenn ihr euch aber nicht selbst erkennt, lebt ihr weiter in Armut und seid die Armut selbst." "Wer die unsichtbare göttliche Welt erkennt, aber nicht sich selbst erkennt, der hat alles verfehlt."
Die göttliche Gegenwart in allem sehen, ist erst möglich, wenn man dieses Göttliche in sich selbst gefunden hat. Dann erscheint alles von Gott durchdrungen. Im Alltag, bei allem, was man tut, sich eins fühlen mit Gott. Diese Einheit bedeutet auch, alle Gegensätze eins werden lassen, wahrhaftig zu sein, alle vorgefassten Meinungen aufzugeben.
Mit dieser verinnerlichten Deutung vom Reich Gottes, unterscheidet sich das Thomas-Evangelium von der Bibel. Die Bibel unterscheidet sich grundsätzlich vom Thomas-Evangelium darin, weil sie sagt: Ein Mensch kann nicht zu Gott kommen aus eigner Kraft. Das Thomas-Evangelium dagegen behauptet, er kann es sehr wohl, er muss die geheimen Wege und Lehren seines Erlösers, seines erleuchteten Vorbilds befolgen. Im Thomas-Evangelium wird etwa "Reich Gottes" oder auch "Auferstehung" als eine Zustandsänderung des jetzigen Menschen verstanden. Der Mensch muss sich durch Selbsterkenntnis - eines der Hauptanliegen im Thomas-Evangelium - befreien und dadurch die eigene Göttlichkeit schon auf Erden erreichen.
Bei Thomas ist Jesus das transzendente Göttliche, das alles durchdringt. Man kann es wahrnehmen und eins werden mit ihm, wenn man nicht mehr verstrickt ist und den inneren Erkenntnisweg geht.
Das Thomas-Evangelium hat ein individuelles, mystisches Christentum begründet, auf das man aber keine Volkskirche aufbauen konnte, weil es zu wenige verstanden. Es war zunächst ein Christentum für Mystiker.
Doch heute ist das Bedürfnis nach innerer Erfahrung ein zentrales Thema und das Thomas-Evangelium gewinnt zunehmend an Bedeutung. Nicht von ungefähr tritt diese Führung gerade in der heutigen Übergangszeit in das Bewusstsein der Menschheit, um die tiefen Lebensweisheiten des inneren Christentums sichtbar zu machen.

Quelle: Auszug aus der TV-Sendung „Der ungläubige Thomas“ im Bayrischen Fernsehen, Erstsendung 21.01.2003

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